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Einkaufserlebnis : Ich bin grad Primark

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Aber sie ist hart geblieben (thank God) und dem Himmel sei Dank, es gab damals noch kein Primark und so viel Auswahl. Die Kinder werden ganz verrückt davon, und für die Eltern lohnt es sich nicht, hart zu bleiben. Die Kette kopiert so schnell und so billig Trends, dass man überhaupt nicht überlegen muss, ob einem gefällt, was man kauft. Man kann den Trendalarm-Kimono ja einfach wegschmeißen und sich stattdessen eine Maxistrickjacke in Mintgrün kaufen, gesetzt den Fall, man kann der psychischen Maximal-Belastung eines solchen Einkaufs standhalten, aber die hier überwiegend in Gruppen auftretenden Mädchen scheinen ja der Überzeugung zu sein, sie hätten Spaß, obwohl sie nicht so aussehen, sondern brutal einkaufsgestresst.

Vor einem Monat eröffnete die Primark-Filiale am Berliner Alexanderplatz. Eigens angereist war dafür der irische Premier, draußen wurde gegen die Arbeitsbedingungen protestiert - auch durch symbolisches Nähen mit Mundschutz

Um irgendwie weiterzumachen, greife ich nach einer Art Strampler für Erwachsene, der einem Dinosaurier/Drachen nachempfunden ist und vermutlich als Schlafanzug genutzt werden soll. Auf dem Rücken sind Zacken und ein Dino/Drachen-Schwanz angebracht, das Material ist sehr weich, grün und brennt bestimmt super. Ich stelle mich in die 20 Kilometer lange Anprobierschlange, wobei ich den Primark-Mitarbeiter beobachte, der wie ein Stier zwischen den auf dem Boden liegenden anprobierten Schuhen und dem eigentlich für sie vorgesehenen Platz hin und her rennt. Er schwitzt und sieht aus, als wäre er in Not. Alles schwitzt.

Das willensstarke Mädchen mit dem Fuck-you-Blick

Ein Mädchen versucht seine Füße in High Heels mit goldenen Schnüren zu stopfen, die man Heidi Klum sofort abnehmen würde. Die Füße des Mädchens sind aber nicht die von Heidi Klum, und das ist ihr verdammt schwerwiegendes Problem. Es ächzt und stöhnt, pustet sich trotzig eine Strähne aus dem Gesicht und probiert es weiter. Damit der Schuhsortierer nicht völlig den Überblick verliert, sind die Schuhe paarweise mit einem Gummi aneinander befestigt.

Das willensstarke Mädchen hat es geschafft, die Schuhe zu besiegen, und stakst nun mit aneinander gebundenen Schuhen über das Anprobier-Schlachtfeld, wie ein frischgeborenes Fohlen. Dabei guckt sie wütend und wirft einer Mädchengruppe, die in einer Ecke sitzt, über Kaufentscheidungen berät und dabei das Mädchen mit den Heidi-Schuhen angesehen hat, einen Fuck-you-Blick zu. Die Mädchengruppe (etwas schüchterner, eher Charlottenburg als Kreuzberg) wendet sich wieder ihrer Beratung zu:

Mädchen 1 hält ein mit in pastellfarbenen Palmen bedrucktes Maxi-Dings hoch und sagt: „Find ich voll süß. Meinst du, das steht mir?“ Mädchen 2 zuckt mit den Achseln.

Mädchen 1: „Ich tu das mal auf den Vielleicht-Stapel.“ Sie sortiert weiter. „Das hier kostet drei, äh, nein, fünf Euro.“ Nun überlegt sie zwischen einem Blumenkleid und einem schwarz-weißen Kleid. „Ach, ich nehm’ mal beide. Und die drei Leggings. Aber das Maxi-Kleid kommt, glaube ich, doch eher auf den Nein-Stapel, oder?“

Mädchen 2 (eindeutig die Nummer zwei in dieser Freundschaft) zuckt wieder mit den Achseln: „Ich denk’ immer, wenn man Sachen nicht anzieht, nützt es auch nichts, wenn die billig waren.“

Mädchen 1 legt den Kopf schief und überlegt einige Sekunden lang, und dann beschließe ich zu gehen.

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