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Eine Maus greift nach den Sternen : Darthneyland

  • -Aktualisiert am

Ich bin dein Vater: Das Disney-Imperium übernimmt die Star Wars-Schmiede Lucasfilm. Doch was bedeutet das für Episode VII? Darth Vader in Disneyland?

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          Als der Disney-Konzern sich 1984 via „Splash“ unter dem Feldzeichen Touchstone Pictures anschickte, mit sogenannter „erwachsener Sprache“ (soll heißen: mit unterm Disney-Etikett undenkbaren Kraftausdrücken) und ein bisschen Nacktheit den zuckerfreien Filmmarkt zu erobern, der dem bis dahin mit dem Zeichen der Maus verbundenen Kindchenschema unerreichbar gewesen war, als der Konzern sich 1996 mit dem ABC-Erwerb auch ins Fernsehen einschaltete, als er 2006 die respektlose, gar nicht biedere Welt des Pixar-Animationsstudios absorbierte, als er sich schließlich 2009 das Superheldenuniversum von Marvel einverleibte, war absehbar, dass „Welteroberung“ ein zu kleiner Name für die Ambitionen der Feldherren und -damen ist, die Kaiser Walt beerbt haben.

          Jetzt pflanzen sie ihr Banner in einer „galaxy far, far away“ auf: Lucasfilm, die Heimat der beiden „Star Wars“-Trilogien, wechselt samt der Spezialeffektfirma Industrial Light and Magic und der maßstabsetzenden Filmklang-Instanz Skywalker Sound für etwas mehr als vier Milliarden Dollar in Bargeld und Anteilen den Besitzer. Die Witze, die sich im Zeitalter des mash-up (ursprünglich von Fans ausgehenden Überblendungen von Pop-Kosmen: Hobbits gegen Dracula, Batman liebt Buffy etc.) daraus melken lassen, reichen von Darth Vader auf dem Disneyland-Umzug (wo sein feucht rasselndes Keuchen in unmittelbarer Nähe der Fee Tinkerbell womöglich als sexual harrasment aufgefasst werden wird) bis zur Überlegung, dass Micky sich mit dem Griff nach den Sternen wohl dafür rächen wollte, dass nach Meinung der modernen Astronomie Pluto leider kein Planet ist.

          Schuss aus der Hüfte

          Ernster nehmen muss man die Ankündigung der neuen „Star Wars“-Besitzer, dem einst von Lucas geplanten Film-Triptychon aus drei Triptychen alsbald die letzte Trias zur Seite zu stellen. Schon 2015 soll „Episode VII“ in die Kinos kommen und eine Generation für sich gewinnen, die mit „Star Wars“ statt dem Liebesdreieck zwischen Luke, Leia und Han Solo oder dem berühmten Schuss aus der Hüfte des Letztgenannten, der in der unbearbeiteten Urfassung von „Star Wars IV: A New Hope“ 1977 kein Akt der Notwehr war, die brave Cartoon-Optik der „Clone Wars“ verbindet. In den Siebzigern und Achtzigern war „Star Wars“ von Herzen pubertär, im besten Sinn des Wortes. Die Maus, eine erwachsene Weltmacht, wird die Marke jetzt zügig infantilisieren, damit sich der Kauf lohnt. Business as usual: Das Imperium hat gesiegt.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

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