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Oberösterreich : Wo schlägt das Herz der Eisenbahn?

  • -Aktualisiert am

Diese Strecke müsste es auf Krankenschein geben: Blick aus dem Fenster der Mühltalbahn. Bild: Jaroslav Rudiš

Wie in Stifters Welt: Eine Fahrt in der Mühlkreisbahn in Oberösterreich führt geradewegs in eine andere Zeit. Manch einer empfindet sie gar als Kur.

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          Es ist still an diesem grauen Morgen auf dem kleinen Bahnhof in Linz Urfahr. In einem Blumentopf am Bahnsteig steht ein geschmückter Weihnachtsbaum, vom ersten Frost mit weißen Kristallen eingehüllt. Man sieht, jemand kümmert sich um den Bahnhof. Hier in Urfahr fängt die Fahrt mit der Mühlkreisbahn an, mit der unscheinbaren, aber wunderschönen Lokalbahn, die in Oberösterreich die Donau mit dem Böhmerwald verbindet.

          Der Reisende und sein Begleiter steigen in den älteren, gut beheizten Triebwagen ein. Es sind überraschend viele Fahrgäste, die an dem Wintermorgen in die Berge unterwegs sind. Bald weiß man auch, warum. Der Zug verlässt Linz und hält sich für eine Weile dicht an der dunkelgrauen Donau. Die Bahn fährt langsam, und dabei bleibt es auch.

          Eisenbahntechnisch ist die Mühlkreisbahn eine Besonderheit. Sie ist eine Inselbahn. Seitdem in Linz die alte Eisenbahnbrücke über der Donau abgerissen wurde, sind die Züge vom restlichen österreichischen Netz abgeschnitten und leben ganz unter sich.

          Der Begleiter genießt den Blick aus dem Fenster. Er heißt Christian Thanhäuser und ist Illustrator, Druckgrafiker und Verleger. Und ein großer Verehrer von Adalbert Stifter. Er lebt in Ottensheim bei Linz, und als wir den Bahnhof dann passieren, zeigt er auf eine Tankstelle. Früher stand hier ein Gasthaus. Statt Benzin hat man dort im Stehen den einfachen Wein getankt. Gleich zeigt er aber in eine andere Richtung. „Hier wurden die Würste hosenwarm serviert. Der Wirt hat sie in den Taschen getragen, damit sie warm bleiben.“

          Ein wilder Fluss von Geschichten

          Vieles hat sich während der Jahre verändert, doch die Züge fahren immer noch genauso wie früher. Hinter Rottenegg beginnt die Bahn steil anzusteigen. Sie seufzt und zittert und schmiegt sich in die Arme des Saurüsselbachs, der hier in der Schlucht summt. Oben auf dem Berg erblickt man kurz die Dächer der Brauerei Hofstetten. Gegründet schon 1229 ist es die älteste Brauerei in Österreich und bekannt für ihr bernsteinfarbiges Granitbier, das „ziemlich sicher auch schon Stifter getrunken hat“, sagt Thanhäuser.

          Blick ins Mühlviertel von der Burgruine Prandegg aus.

          Der Wald ist dicht, verschneit und dunkel und das stille Stauwasser der langgezogenen Zunge einer Talsperre zugefroren. Plötzlich fühlt man sich wie in Stifters winterlicher Erzählung „Aus dem bairischen Walde“, wo der Böhmerwalddichter den bösen Schneesturm von 1866 beschreibt, der die Tage in weiße Nächte verwandelte. Der Zug fährt vorbei an den Orten, die Sexling, Iglmühle oder Teufelmühle heißen. Selten passt sich die Eisenbahnstrecke der Natur so an wie hier. Nein, sie wird zur Natur. Zum Wald. Zum Bach. Zum kleinen wilden Fluss von Geschichten.

          Christian Thanhäuser zeigt seine Skizzen für die Illustrationen des neuen Gedichtbands von Esther Kinsky, der demnächst in seiner Edition Thanhäuser erscheint. Dann schlägt er ein weiteres Heft auf. Es sind Zeichnungen, die während der Fahrten mit der Mühlkreisbahn entstanden sind. Man sieht die kleinen Schluchten und Bäche, Wiesen, Lichtungen und Hopfenanlagen und immer wieder den mächtigen Böhmerwald am Horizont. Er ist als Künstler fest mit der Landschaft verbunden, von dort holt er sich immer das Holz für seine Drucke.

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