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Eine Antwort auf den Klimawandel : Morgenstadt

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Eine grüne Hightech-Phantasie aus dem Bundesforschungsministerium: Bundesministerin Schavan hat die Erzählung „Morgenstadt“ zusammen mit Fraunhofer-Präsident Bullinger in Auftrag gegeben, formuliert und erdacht wurde sie von neunzehn deutschen Ingenieuren und Techniktheoretikern. Wir geben Sie in einem Auszug wieder.

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          Die Emissionsuhr am Rathaus von Morgenstadt zeigt seit bald 30 Jahren an, welchen Ausstoß an Kohlendioxid jeder Einwohner im Jahr statistisch betrachtet zu verantworten hat. Auf ihrer Homepage zeichnet die Stadt seit mehr als einer Generation ihren ökologischen Fußabdruck detailgetreu nach. Längst hat die Uhr den Kilogrammmaßstab erreicht und wird von den jüngeren Bewohnern Morgenstadts kaum noch wahrgenommen, so selbstverständlich ist ihnen das kohlendioxidneutrale Leben geworden. Für ihre Eltern und Großeltern ist die Uhr ein sichtbarer Zeuge dafür geblieben, mit wie viel Engagement die Stadtverwaltung schon seit Anfang des Jahrhunderts Morgenstadt zu einem Motor des Klimaschutzes gemacht hat. Sie nutzte die vorhandenen Spielräume kommunaler Energiepolitik zielstrebig aus. So stieg sie in der Solarbundesliga beispielsweise bald auf den ersten Tabellenplatz in der Kategorie der Großstädte. Sie legte als erste einen ökologischen Mietspiegel vor, der Vermietern zusätzliche Anreize für die energetische Sanierung ihrer Häuser gab. In Neubaugebieten wurden früh verschärfte Baustandards verordnet und die Nahwärmeversorgung mit Kraftwärmekopplung und Solarenergie systematisch auf große Teile der Stadt ausgedehnt. Im Zusammenspiel und in der Auseinandersetzung mit den energiepolitischen Akteuren in Land, im Bund und in Europa erweiterten Bürgermeister und Magistrat der Stadt Zug um Zug ihren Spielraum und erwarben sich im Energiebereich Planungshoheit und Entscheidungsbefugnis in einst unbekanntem Maß. Gleichzeitig gelang es ihnen, ihre Bürger zum Mitmachen zu motivieren. Selbstverwaltung in Sachen Energie wurde zum Markenzeichen Morgenstadts.

          Während die Beheizung und Warmwasserbereitung der Gebäude einer deutschen Großstadt 2010 noch fast die Hälfte von deren CO2-Emissionen verursachte, setzt die Wärmeversorgung der Gebäude von Morgenstadt kaum noch Kohlendioxid frei, weil sie von fossilen Brennstoffen unabhängig ist. Wenngleich der Klimawandel heißere Sommer mit sich bringt, können die klimaangepassten Gebäude Morgenstadts den dadurch gestiegenen Kühlbedarf fast ohne Zusatzemissionen abfangen. Die Neubauten der vergangenen Jahrzehnte sind Nullenergiehäuser, die nicht mehr Energie benötigen als sie erzeugen. Die meisten ein- und zweistöckigen Neubauten produzieren sogar mehr Energie als sie verbrauchen, weil sie mit Solarzellen oder mit Sonnenwärmekollektoren ausgestattet sind. Die Altbauten der Stadt sind dank der konsequenten kommunalen Klimaschutzinitiativen energetisch vollständig saniert worden, was ihren Heizwärmebedarf drastisch reduziert hat, wenngleich nur etwa jedes fünfte Haus Passivhausniveau erreicht. Mit der erfolgreichen energetischen Modernisierung öffentlicher Gebäude für Schulen, Krankenhäuser oder Kindertagesstätten hatte die Stadtverwaltung in diesem Prozess frühzeitig Maßstäbe gesetzt und vorbildlich gewirkt, zumal sie die dadurch erzielten Einsparungen geschickt zu kommunizieren verstand. Die Außendämmungen von Gebäuden sind inzwischen so dünn, dass die Formensprache des Städtebaus und der Architektur kaum mehr berührt werden. Dank der Wärmespeicherfähigkeit innovativer Außendämmungen sind Klimaanlagen die Ausnahme geblieben. Den Anforderungen des Denkmalschutzes kann auch in historischen Altstadtkernen weitgehend entsprochen werden, zumal die Möglichkeiten der Innendämmung weiterentwickelt und ihre ehemaligen Nachteile deutlich reduziert werden konnten.

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