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Viral auf Twitter : „Frankreich sollte das nicht tun“

Die „guten“ und die „ignoranten“ Engländer

Das Milieu stimmte also, aber wie war das nun mit dem Brexit und dem Häuschen in Frankreich? Für die bereits in der Dordogne angesiedelten Engländer gelten in der momentanen Übergangszeit die EU-Regeln, auch nach dem Brexit werden sie wenig zu befürchten haben außer einem unschönen Haufen Formulare. Tatsächlich wird es aber nach dem Brexit nicht mehr so einfach sein, sich als britischer Rentner in einem EU-Land niederzulassen. Nach derzeitigem Stand werden UK-Bürger, die erst nach dem 31. Dezember 2020 nach Frankreich ziehen möchten, wie jeder andere Bürger eines beliebigen Drittstaates behandelt. Sie müssen sich zunächst ein Visum namens „visa de long séjour“ besorgen, was einigermaßen aufwendig ist und nur für ein Jahr gilt. Weitere Aufenthaltsgenehmigungen hängen auch von der Höhe des Einkommens und des Vermögens ab, die offengelegt werden müssen. Ob britische Rentenerhöhungen auch in Frankreich vorgenommen werden, ist bislang noch ungeklärt – wie überhaupt erschreckend vieles. Der britische Führerschein soll für dauerhafte Anwohner nur noch für ein Jahr gelten, dann muss er umgeschrieben sein. Die englische Krankenversicherung wird in Frankreich nicht mehr anerkannt. Eine unkomplizierte Reise in andere Schengenländer ist für Visa-Inhaber auch nicht mehr ohne weiteres möglich. Aufenthaltstitel mit längerer Gültigkeit gibt es nur noch mit Sprachtest.

Wer ist dieser Mann? Gab es ihn je? „RS Archer“ auf Twitter.
Wer ist dieser Mann? Gab es ihn je? „RS Archer“ auf Twitter. : Bild: Twitter/Screenshot

An der Beherrschung der Sprache entlang verläuft auch die kulturelle Kluft zwischen den „guten“ und den „ignoranten“ Engländern in der Dordogne, jenen, die sich bemühen, die Kontakt zu den Einheimischen suchen und etwas zurückgeben wollen, und jenen, die nur gekommen sind, um Dorf und Landschaft zu konsumieren und ansonsten wenig Bereitschaft mitbringen, sich mit den Gegebenheiten ihrer neuen Heimat auseinanderzusetzen. Mit diesem verbreiteten Klischee, das sicherlich zwei extreme Pole zeigt, arbeitete auch der Twitter-Thread. Der assimilierte Engländer, der das Ganze erzählt, macht sich über seine ignoranten Landsleute lustig, die laut einfordern, was ihnen angeblich zusteht, ohne selbst allzu viel dafür zu tun.

Es ist so unfair, wir haben immer den Müll getrennt: Die Ferienhaus-Saga rekurrierte auf Menschen, die wir alle leider kennen, und beschenkte unsere Schadenfreude aufs Schönste.
Es ist so unfair, wir haben immer den Müll getrennt: Die Ferienhaus-Saga rekurrierte auf Menschen, die wir alle leider kennen, und beschenkte unsere Schadenfreude aufs Schönste. : Bild: Twitter/Screenshot

Leider kennt man ja genau diese Sorte Mensch, in ungefähr jedem Urlaub trifft man sie am Bufett oder an der Rezeption, weil sie sich gerade wieder über irgendwas beschweren. Diese Personen sind nie wir selbst, es sind immer unsere Landsleute, und sie sind immer schrecklich unverschämt und beschränkt. Wenn es einen Anlass zur Schadenfreude ihnen gegenüber gibt, ergreifen wir ihn gern. Und das ist vielleicht einer der vielen guten Gründe, neben dem ausgezeichneten Storytelling, dem Humor und dem Ablauf in Echtzeit, der dazu führte, dass der Twitter-Thread um das Haus in der Dordogne viral ging. Und glaubt man den Kommentaren, war es den meisten Lesern auf Twitter tatsächlich ziemlich egal, ob das nun real war oder nicht.

Leider hat „RS Archer“, der in den letzten Tagen viele Tausend Follower hinzugewann, an diesem Donnerstag sehr plötzlich seinen Account gelöscht. Kurz zuvor vermeldete er, sein Passwort sei gehackt worden, und er erhalte per Direktnachricht Drohungen von Brexit-Unterstützern gegen ihn und seine Frau. Diese Wendung spricht eher dafür, dass da am anderen Ende jemand sitzt, der sich das eben nicht nur alles ausgedacht hat und dem die Drohungen nahegehen, aber wir wissen es nicht. Womöglich ist das noch nicht das Ende der Geschichte. Wir – also die Autorin dieses Textes und Hunderttausende Twitter-Nutzer – hoffen es jedenfalls sehr, denn just an diesem Donnerstag wäre ja der alles entscheidende Termin beim französischen Bürgermeister, wenn es ihn denn je gab.

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