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: Ein Superstar der Sichtbarkeit

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Essentiell ist dabei gar nicht so sehr die gerne bemühte Hackerethik im Sinne moralischer Codes einer digitalen Subkultur. Viel aufschlussreicher ist das besondere Verhältnis zu Wissen und Wahrheit, welches sich von der Funktionsweise der Computer ableitet. "Information has to be free" ist die Formel, auf die das Weltbild der Hacker gerne gebracht wird, die radikale Forderung nach absoluter Transparenz und Zugang zu Daten. Aber dieser Satz, den der Journalist Steven Levy 1984 als Kernprinzip der Hackerkultur ausmachte, ist nicht nur ein politischer Slogan, er birgt auch eine epistemologische Prämisse: Information ist das, was befreit werden muss. Mit fast schon altmodischer Gewissheit unterstellt der Hacker, dass hinter jeder Oberfläche auch etwas liegt, das es zu entbergen gilt. Schon Georg Simmel entlarvte das als Irrtum: "Aus dem Geheimnis nun, das alles Tiefere und Bedeutende beschattet, wächst die typische Irrung: alles Geheimnisvolle ist etwas Wesentliches und Bedeutsames." Oder, wie es der Satiriker Jon Stewart in dieser Woche formulierte: "Dass ich etwas nicht weiß, bedeutet, dass es mir jemand verheimlicht."

Computer, das zeigt das Beispiel von Mendax, sind für Hacker als Modell des Denkens weitaus wichtiger denn als Instrument ihrer Praxis. Auch Wikileaks ist eher Idee als Technik, man hätte das ganze Paket theoretisch ja auch per Post an "Spiegel" und "Guardian" schicken können. "Der Zugang zu Computern - und alles, was uns zeigen kann, auf welche Weise die Welt funktioniert - sollte unbegrenzt und total sein", lautet Levys erste Hackerregel. Computer sind mehr als eine Waffe: Sie sind der Apparat zur Welterkennung. In einem wegweisenden Text über die Figur des Hackers beschreibt der Medienwissenschaftler Claus Pias diesen als "eine Figur, die durch eine systemische Schranke der Computertechnologie selbst hervorgebracht wird. Er verdankt sich der technischen Bedingung, daß die Prozesse in digitalen Computern unsichtbar sind und diese Unzugänglichkeit durch eine Hierarchie von Interfaces überwunden werden muß." Nicht die Tatsache, dass seine Welt aus Codes besteht, unterscheidet den Hacker vom DAU, dem dümmsten anzunehmenden User, sondern sein Glaube an deren Dechiffrierbarkeit. Hacker sind keine Avantgarde; sie sind die letzten Vertreter der Aufklärung. "Mit dem Digitalrechner", schreibt Pias, "entsteht gewissermaßen ein Geheimnis oder ein ,mediales Unbewußtes', etwas, das, da unbeobachtbar, vielleicht ,in Wahrheit' geschieht und dass deshalb ans Licht zu ziehen sein könnte, ein Schleier von Oberflächen oder abstraction layers, der möglicherweise beiseite gezogen werden könnte. Digitalcomputer eröffnen einen Raum des Verdachts."

Auch die Enthüllungen von Wikileaks folgen diesem Muster, und es ist schon erstaunlich, wie wenig eine überwältigte Öffentlichkeit der simplen binären Logik misstraut, die ihnen zugrunde liegt. Die komplexe Natur der Verschwörung, das vielschichtige Spiel der Geheimdienste mit gegenseitigen Antizipationen, der taktische Umgang mit dem Wissen der anderen: all das geht in der Aufregung um die Inhalte der Depeschen völlig unter. Dabei ist schon die enorme Menge der Daten ein einziges Ablenkungsmanöver: Vor lauter Suche nach immer brisanteren Details kommt niemand mehr dazu, die Relevanz der Informationen zu hinterfragen oder die Interessen, die hinter einer solchen Veröffentlichung stecken könnten. Den prüfenden Journalisten geht es genauso wie den Hackern: Schon weil es so aufwendig ist, das Material richtig zu lesen, muss es brisant sein. Nicht anders funktioniert investigative Recherche im Allgemeinen: Je unzugänglicher eine Information, je konspirativer die Treffen, desto relevanter müssen sie sein.

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