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: Ein Quantum Oliver

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Noch am Mittwochmorgen, kurz vor dem Treffen mit den Intendanten, war der Programmdirektor des Ersten, Volker Herres, davon ausgegangen, dass es nur noch eine Frage von Tagen sei, dass man sich mit Oliver Pocher über eine gemeinsame Zukunft verständige.

          Noch am Mittwochmorgen, kurz vor dem Treffen mit den Intendanten, war der Programmdirektor des Ersten, Volker Herres, davon ausgegangen, dass es nur noch eine Frage von Tagen sei, dass man sich mit Oliver Pocher über eine gemeinsame Zukunft verständige. Doch schon am Mittag dürften Herres die Gesichtszüge entglitten sein. Denn da unterrichtete ihn Pocher persönlich in einem Telefonat über seine Zukunftspläne. Die werden vom kommenden Herbst an bei Sat.1 liegen, wo der neue Geschäftsführer Guido Bolten beherzt zugriff, als er die Chance sah, die ihm das wochenlange Lavieren der beiden Konkurrenten ARD und RTL bei den Verhandlungen mit Pocher bot.

          "Oliver Pocher ist ein Ausnahmetalent. Ich freue mich sehr, dass wir ihn langfristig für unseren Sender gewinnen konnten und ihm jetzt bei Sat.1 ein neues Zuhause bieten", sagt Bolten im Gespräch mit dieser Zeitung. Wer mediendeutsch versteht, weiß, dass "langfristig" drei Jahre heißt. Für diesen Zeitraum hat sich Sat.1 auch die Rechte an den Spielen der Champions-League und des Uefa-Cups gesichert. "Exklusiv" habe man Oliver Pocher an sich gebunden, sagt die Sat.1-Sprecherin Diana Schardt, und es sei sicher nicht so, "dass wir ARD oder RTL finanziell überboten haben".

          Von Herbst an wird Pocher eine wöchentliche Late-Night-Show bei Sat.1 moderieren und zusätzliche Events. Darin kann man eine kleine, nette Pointe der deutschen Fernsehgeschichte sehen: Pocher versucht sich nun bei dem Sender, den sein Compagnon Harald Schmidt für das Erste verließ. Wo die gemeinsame Sendung der beiden - die nie den Erfolg hatte, den man sich davon versprach - heute bekanntlich letztmals läuft.

          "Alle Wünsche, die wir hatten, sind komplett erfüllt worden. Es ging um Langfristigkeit, um einen geeigneten Sendeplatz und auch um ein zu bezahlendes Budget. Das wurde alles von Sat.1 zur größten Zufriedenheit erfüllt", sagt Oliver Pocher im Gespräch mit der F.A.Z., "ich sehe in dem, was bei Sat.1 gerade passiert, die große Chance, dem Ganzen neue Formen zu geben." Der Zufall hat der Vereinbarung zwischen Pocher und Sat.1 vor einem knappen Monat den Weg geebnet. "Eigentlich wollte ich Pro Sieben Sat.1 ein anderes Format anbieten. Das war der Auftakt für ein Gespräch. Andreas Bartl überlegte, für welchen Sender das passen würde und dann kam es zum Gespräch mit Guido Bolten", berichtet Pocher. Dem war das neue Format erst einmal egal. "Er wollte eigentlich nur nachhaken, wie der Stand der Verhandlungen ist, ob sie eine Chance haben und wie wir zusammenpassen." Zwischen "etwas machen wollen" und "Vertrag" ist es ein weiter Weg im Mediengeschäft, das hat Poliver Pocher längst gelernt. "Aber wir haben uns zusammengesetzt und heute ist der Vertrag unterschriftsreif."

          Mit einer Late-Night-Show will es der einunddreißig Jahre alte Unterhaltungskünstler nicht bewenden lassen. "Mit meiner Art von Humor bin ich jemand, der sicher im späteren Bereich des Abends angesiedelt ist, kann aber auch einzelne Zwanzig-Uhr-Events moderieren. Das gehört mit dazu." Auch die Show, die er Sat.1 zunächst angeboten habe, sei weitgehend in trockenen Tüchern. Die Bedeutsamkeit seiner Auftritte beim Fußball will Pocher nicht zu sehr betonen. "Ich sehe mich nicht als Fußball-Kommentator oder Moderator, der bei Spielen von St. Etienne gegen Broskovitz III in Bulgarien dabei sein muss. Ich bin nicht als Fußballkommentator im Gespräch." Die Entscheidung gegen die ARD will Oliver Pocher nicht als endgültige Absage verstanden wissen. "Das geht auch noch später, da gab es nicht den passenden Sendeplatz". Persönlich leid tue es ihm für die Verhandlungsführer der ARD, Volker Herres, Verena Kulenkampff und Thomas Schreiber, die hinter ihm gestanden hätten. Sein Late-Night-Partner Harald Schmidt habe keinen Einfluss auf die Entscheidung gehabt, nur über die Gründung seiner Produktionsfirma habe er mit Schmidt geredet. Grundsätzlich, hofft Pocher, sollte ihm als "gelernter Kaufmann" das Führen einer Firma nicht schwer fallen.

          Die RTL-Senderchefin Anke Schäferkordt, die zunächst zögerlich und auf Drängen ihrer Unterhaltungsleute in den Wettbewerb um Oliver Pocher eingetreten war, bekam gestern Mittag ebenfalls einen Anruf und - zumindest ein kleines Quantum Pocher: Denn der speilte gestern als Gaststar in einer Folge der Serie "Alarm für Cobra 11". Bis zum Start der Late-Night-Show im September bei Sat.1 geht Oliver Pocher mit seinem Comedy-Programm "Gefährliches Halbwissen" auf Tournee. Man darf gespannt sein, wie Pochers Late-Night, deren Sendeplatz noch nicht feststeht, aussieht. "In meiner Haltung, meiner Art und Weise hat sich in den letzten drei vier Jahren einiges geändert", sagt Pocher. Seinen Schritt zu Sat.1 hat er sich wohlüberlegt. Der eklatante Mangel an profilgebenden Moderatoren (sehen wir einmal von Kai Pflaume ab), der dort herrscht, ist Pochers große Chance. Er wird sie zu nutzen wissen. MICHAEL SEEWALD

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