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Jürgen Kaube (kau)

Ein Preis für kuriose Buchtitel : Kleine geile Titel

  • -Aktualisiert am

„Das große Buch lesbischer Pferdenovellen“ oder die „Höhepunkte der Zementgeschichte“ sind Bücher, denen eins gemeinsam ist: Sie sind tatsächlich geschrieben worden und haben beide den englischen „Diagram Preis für den eigenartigsten Buchtitel des Jahres“ gewonnen. Das „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“ zieht nach.

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          Die Akten des Zweiten Internationalen Workshops über nackte Mäuse (University of Tokyo Press) sind kein Sachbuchbestseller geworden. Das gilt auch für das personalwirtschaftliche Standardwerk „Die Madame als Unternehmer - Karriereplanung im Bordell“ und sogar für „Das große Buch lesbischer Pferdenovellen“. Selbst die „Höhepunkte der Zementgeschichte“ liegen wie Beton im Regal. Doch immerhin hat es, unübersetzbar, „Bombproof Your Horse“ von Rick Pelicano und Lauren Tjaden inzwischen zu einer Taschenbuchausgabe gebracht, was Gary Leon Hills todernst gemeintem Ratgeber „Leute, die nicht wissen, dass sie tot sind: Wie ihre Seelen in die Körper nichtsahnender Passanten fahren und was man dagegen tun kann“, 2005 bei Weiser Books herausgekommen, trotz ganz offenkundiger Nützlichkeit noch vor sich hat.

          Gemeinsam ist all diesen Büchern, dass sie einmal den englischen „Diagram Preis für den eigenartigsten Buchtitel des Jahres“ gewonnen haben. Vor dreißig Jahren wurde er auf der Frankfurter Buchmesse zum ersten Mal, damals an die Nacktmäuseakten, vergeben. Soeben hat das „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“ nachgezogen und schreibt gemeinsam mit dem Bloomsbury Verlag einen enstprechenden Wettbewerb für hiesige Bücher aus. Vorschlagen darf jeder, nur keine pornographischen und diskriminierenden Titel, was aber wohl Klassiker wie den englischen Gewinner von 1986, „Oral Sadism and the Vegetarian Personality“ von Glenn C. Ellenbogen, als Vorbild nicht ausschließt. Wer die diesjährigen Verlagskataloge durchmustert, stößt aber auch diesseits lustiger Wissenschaft auf Kandidaten. Auf Hilferufe wie „Mein Hund macht, was er will“ (Graefe-Unzer) und sehr ins Detail gehende Ratgeber wie „Fliegenwerfen: Anleitung und Lehrplan zum Gebetsroither-Stil“ (Verlag Müller-Rüschlikon), auf unentbehrliche Verzeichnisse wie „Kleine geile Firmen“ (Edition Nautilus), auf den urtümlichen Humor religiöser Kausalversprechen in „Erzengel und wie man sie ruft“ (Ullstein) oder „Jenseitsreisen: Wir bringen Sie über den Jordan. Mit detailliertem Routenplaner für über 50 Religionen“ (Droemer-Knaur), und schließlich dann doch wieder auf die unergründliche Themenwahl der Forschung, etwa in „Postsozialistische Männlichkeiten in einer globalisierten Welt“ (Lit Verlag) oder „Apotheken im totalitären Staat“ (Wissenschaftliche Buchgesellschaft). Am besten gefallen hat uns aber ein ganz lakonischer Titel, der sicher auch etwas, wenn auch etwas anderes für die Engländer wäre: „Blitzkekse“ (Verlag Dr. Oetker).

          Jürgen Kaube
          Herausgeber.

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