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Zum Tod von Georg Lohmeier : Man wird doch noch von der Monarchie träumen dürfen

Georg Lohmeier (1926 bis 2015) Bild: Picture-Alliance

Der Autor und Schauspieler Georg Lohmeier erfand das „Königlich Bayerische Amtsgericht“ und verarbeitete andere Sehnsüchte des Freistaates. Jetzt ist er im Alter von 88 Jahren gestorben.

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          „Über das Jenseits kann man nur im Diesseits nachdenken, denn im Jenseits über das Diesseits nachdenken ist zweifelhaft.“ – Der Satz stammt von Karl Valentin, dem bedeutendsten bayerischen Humoristen. „Die Liebe ergründet die Unsterblichkeit, und die Unsterblichkeit kommt allein aus der Liebe.“ – Der Satz stammt von Joseph Ratzinger, dem bedeutendsten bayerischen Papst. Unter anderem, weil dem nachmaligen Papa emeritus dieser Satz eingefallen ist, hat er 1989, als er noch Kurienkardinal war, den nach Karl Valentin benannten Orden der Münchner Faschingsgesellschaft Narhalla erhalten.

          Hannes Hintermeier
          Feuilleton-Korrespondent für Bayern und Österreich.

          Sein Laudator war damals der 1926 geborene Schriftsteller, Drehbuchautor und Schauspieler Georg Lohmeier. Der kannte die Brüder Ratzinger seit den Tagen, als er wie sie den Freisinger Domberg bevölkerte – um sich dort als jüngstes von neun Kindern des Bräus zu Loh im Landkreis Erding auf die niederen Weihen vorzubereiten. Georg „Girgl“ Lohmeier ist dann doch abgezweigt vom Weg zum geistlichen Stand, aber wirklich losgekommen ist er von seiner Beinahe-Berufung nicht; und die Freundschaft zu Georg und Joseph Ratzinger hielt auch. Aber anders als die Ratzinger-Buben konnte sich Lohmeier mit dem Zölibat erst im Alter anfreunden; er selbst, gab er einmal zu Protokoll, wäre „kein gescheiter Pfarre geworden“, weil er den Lockungen der „Zölibatessen“ – so nannte er Pfarrersköchinnen – nicht widerstehen hätte können. So habe schon ein „brünettes Dogma“ dazu geführt, dass er das Freisinger Priesterseminar verließ.

          Bayern als Lieblingsthema

          Lohmeier wandte sich stattdessen nach dem Studium der Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft seinem Lebensthema zu, der Darstellung und Beförderung des Landes Bayern und seiner Einwohner, bevorzugt in der Ausprägung als Monarchie. Als Präsident, später Ehrenpräsident des Verbandes der Königstreuen in Bayern hielt er die alljährliche „Exclamations“-Rede in Gammelsdorf. Seit den mittleren siebziger Jahren wurde er nicht müde zu träumen, wie sehr die Heimat nach einem König seufze – „nicht weil wir unbedingt einen brauchen, sondern weil es viel schöner wäre“. Schöner, nach Lohmeiers Meinung, auch preiswerter und menschlich wärmer.

          Diese Sehnsucht thematisierte er in Theaterstücken, Erzählungen und Sachbüchern, mehr als dreißig wurden es am Ende. Sie befeuert auch Lohmeiers bekannteste Fernsehserie, das „Königlich- Bayerische Amtsgericht“, die zuerst ausgerechnet im Revolutionsjahr 1968 und dann bis 1972 in dreiundfünfzig Folgen ausgestrahlt wurde – im bekannten Heimatsender ZDF. Im fiktiven niederbayerischen Geisbach saß der Herr Rat, gespielt von dem wunderbar gestrengen, doch gütigen Hans Baur, zu Gericht über Bürgermeister, Hochzeitslader, Kellnerinnen, Viehhändler, Rosstäuscher, Großbauern und andere Schlawiner: Sie wurden dargestellt von den Besten ihrer Zunft, darunter Ludwig Schmid-Wildy, Veronika Fitz, Christa Berndl, Max Grießer, Katharina de Bruyn, Fritz Harlander, Karl Obermayr, Fritz Straßner, Elfie Pertramer.

          Im Vor- und Abspann erklang die Stimme Gustl Bayrhammers, sie dürfte Generationen von Zuschauern im Ohr klingen, denn die Serie erwies sich als dauerhaft wiederholungsbedürftig. „Es war eine liebe Zeit, die gute, alte Zeit vor anno 14. In Bayern gleich gar. Damals hat noch Seine Königliche Hoheit der Herr Prinzregent regiert, ein kunstsinniger Monarch, denn der König war schwermütig. Das Bier war noch dunkel, die Menschen war’n typisch, die Burschen schneidig, die Dirndl sittsam und die Honoratioren ein bisserl vornehm und ein bisserl leger. Es war halt noch vieles in Ordnung damals.“

          Am Fasching ist der nicht sehr hoch gewachsene Lohmeier gern als jener Mann gegangen, dem er erstens ähnlich sah und der zweitens aus Bayern erst ein Königreich gemacht hat: Napoleon. Am gestrigen Dienstag ist Georg Lohmeier im Alter von achtundachtzig Jahren in München gestorben.

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