https://www.faz.net/-gqz-13736
 

Ein Lied für Berlusconi : Silvio forever

  • -Aktualisiert am

Der Personenkult um Silvio Berlusconi treibt bizarre Blüten Bild: picture-alliance/ dpa

„Du bist edel und gerecht, darum gefällst du uns“: An wen denkt man bei diesen Worten weniger als an Silvio Berlusconi? Doch weil der Parteinachwuchs seinem Präsidenten huldigen wollte, dichtete Loriana Lana eigens die Hymne „Silvio forever“, die von einem rundum genialen Mann erzählt.

          1 Min.

          Welcher Politiker ließe sich nicht gern mit folgenden Worten besingen: „Du bist edel und gerecht, darum gefällst du uns“? Das ist kein frommer CDU-Choral zu Ehren von Angela Merkel und auch kein knorriges britisches Bergmannslied auf Gordon Brown. Nicht einmal Barack Obama würde sich in einem beseelten Demokratengospel als „Leader mit Charisma“, „wissender Führer“ und „Mann der Genialität“ besingen lassen. Nein, die Ehre einer solchen Hymne ad personam gebührt niemand anderem als dem italienischen Riesenstaatsmann Berlusconi. „Silvio forever“ heißt das Liedchen, das seine Hausdichterin Loriana Lana verfasst hat. Auf Youtube ist das Werk – einstweilen etwas matt untermalt von Banjo und Flöte – zu begutachten.

          Der Parteinachwuchs, so erzählt die Dichterin, habe gemurrt, dass es bei den Kongressen keinen adäquaten Triumphgesang gebe. Nun ist endlich Abhilfe geschaffen. Das Liedchen fand sogar schon die Zustimmung des zweiundsiebzigjährigen Padrone, der seine knappe Zeit bekanntermaßen liebend gern mit dem weiblichen Politnachwuchs verbringt und stets wohlwollend Bewertungen hört wie „Du bist der Gedanke, der uns leitet – Zukunft und Gegenwart“. Wenn das Ceauescu noch hätte erleben dürfen! Den rumänischen Staatschef hatte man auf seinen legendären Klatschparteitagen als „Karpaten des Denkens“ gerühmt. Und ist im demokratischen Europa nach dem Abtreten von Breschnew, Hodscha und Honecker der noble Geist des Personenkults nicht gar zu sehr ins Hintertreffen geraten?

          Silvio, der Allbeglücker

          Doch gemach, für Renaissancen gibt es in Europa seit altersher unsere potenten Italiener. Sie haben bereits die nächste Überraschung in petto: Ende April hat sich ein Komitee gegründet, dessen hehres Ziel es ist, einem ganz großen Staatsmann, Denker, Dichter und Unternehmer zum Friedensnobelpreis zu verhelfen. Wie der Mann wohl heißt? Hier ein paar Hinweise: Der Aspirant ist Eigner eines stets die Abseitsregel respektierenden Fußballclubs und diverser pazifistischer Fernsehsender; er arbeitet fleißig am Familienfrieden.

          Trotz so vieler Geschäfte habe er die wegweisenden „Gedanken von Milton Friedman und Muhammed Yunus miteinander versöhnt“. Wie könnte man dieses Genie treffend rühmen? Als Vater Teresa? Papi-Papst? Beglücker der Parteijugend? Abruzzen der Weltpolitik? In Oslo sollen sich die anderen Kandidaten schon einmal warm anziehen: Silvio ante portas.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.