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Ein kunstbegeisterter Spekulant : Partnership

  • -Aktualisiert am

Berlin war nicht an seiner Sammlung interessiert. Jetzt wird Investor Nicolas Berggruen in Los Angeles Werke deutscher Künstler ausstellen. Zum Schaden der Hauptstadt?

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          In Los Angeles ist alles spielerischer, nicht so kontrolliert, nicht so verbissen wie in Berlin. Die dort übliche Verbindung von öffentlichen Institutionen und der Privatwirtschaft, die so hübsch klingende Public-Private-Partnership, ermöglicht Unternehmern ein unkompliziertes Engagement in den Museen. Zum Besten aller? Der in Berlin allseits bekannte Immobilienunternehmer Nicolas Berggruen gab jetzt „The Art Newspaper“ zu Protokoll, wie einfach diese Einflussnahme in Amerika sei, und verband sie mit der Verkündung einer neuen Kooperation: „Ich baue eine Sammlung für das Los Angeles County Museum of Art auf, sie wird sich auf deutsche Künstler wie Schütte, Kippenberger, Richter und Beuys konzentrieren.“

          Der Unternehmer als Sammlungsleiter? In Amerika (fast) normal. In Deutschland noch eine Seltenheit: Nicolas’ Vater Heinz Berggruen hatte eine solche Stellung in seinem Museum in Charlottenburg inne, nachdem er Berlin im Jahr 2000 seine einzigartige Kunstsammlung der Moderne für 250 Millionen Mark verkauft hatte. Diese Funktion ließ sich jedoch durch die Bedeutung der Sammlung und die Persönlichkeit von Heinz Berggruen rechtfertigen. Alltagsgeschäft sollte es nicht werden. Die Museumskompetenz muss vollständig bei den Fachleuten bleiben - fern der Immobilienbranche.

          Warum erfolgt der Vorstoß in Los Angeles gerade jetzt? Es geht eigentlich gar nicht um Los Angeles. Es geht um Berlin. Nicolas Berggruen will sich hier wieder ins Gespräch bringen. In dem Artikel wird ganz gezielt eine Konkurrenz herbeigewünscht: Berlin habe seine Chance verpasst, doch Nicolas Berggruen sei, obwohl er jetzt mit dem Lacma kooperiere, immer noch interessiert daran, ein Museum für zeitgenössische Kunst in Berlin zu errichten - ein Plan, mit dem er vor zwei Jahren scheiterte: 2009 war ein [...] Geschäft zwischen Nicolas Berggruen und der Hauptstadt geplatzt. Berggruen wollte damals [...] und bot der Stadt im Gegenzug an, dort ein Museum für seine eher durchschnittliche Kunstsammlung zu errichten.

          Seine persönliche Referentin Ute K. Kiehn sagte jetzt im Gespräch mit dieser Zeitung: Es gebe ein Problem in Deutschland. Die öffentliche Hand wolle Geld und wolle dann damit machen, was sie wolle. Darauf werde sich auf Dauer in Deutschland niemand mehr einlassen. Mag sein - aber Berlin braucht die Sammlung von Nicolas Berggruen nicht. Weil sie keine wichtige Sammlung ist. Sein guter Name allein reicht selbst in Berlin nicht mehr. Die Stadt braucht ein überdurchschnittliches Format für die Gegenwartskunst.

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