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Fragwürdige Kundenbewertungen : Hölderlin und Laserdrucker

  • -Aktualisiert am

Der Kunde, die Konkurrenz, Enthusiasten oder Querulanten? Zu wissen, wer die Bewertung abgegeben hat, ist nicht ganz unwesentlich. Bild: Picture-Alliance

Überall werden Sterne vergeben – auch gegen Geld und die Interessen der Portale. Was die Bewertung taugt? Das hängt ganz von dem Wissen darüber ab, was die Bewerter taugen.

          Überall stoßen wir inzwischen auf Bewertungen. Es gibt so gut wie nichts, das nicht soundsoviele von fünf Sternen hat: Sachbücher, Eierkocher, Steuerberater, Backmischungen, Museen in Florenz. Oft setzt sich die jeweilige Wertungszahl aus recht unterschiedlichen Einschätzungen zusammen. Was den einen unzumutbare Wartezeiten samt unfreundlicher Bedienung waren, ist für die anderen der beste Italiener in Köln mit super Service. Das wirft sofort die Frage auf, wer überhaupt geurteilt hat. Der Kunde, die Konkurrenz oder der Anbieter selbst, Enthusiasten oder Querulanten, die man selbst ungern als Hotelgäste hätte, oder Leute ausgeglichenen Temperaments?

          Wenn man nachschaut und findet, dass der meinungsstarke Rezensent einer Hölderlin-Biographie auf Amazon ansonsten nur noch eine Mikrowelle besprochen hat, gefährdet das den Nutzwert seiner Einschätzungen von beidem. Das gilt umgekehrt auch für Leute, die im letzten Jahr sechshundert Bücher gelesen haben wollen. Oder für vierseitige Bewertungen eines Laserdruckers, die sich auf dem Niveau eines Fachhochschulstudiums des Laserdruckerbaus bewegen. Damit steht das Problem der Empfehlung vor uns. Sie soll interessenfrei, aber kenntnisreich, nutzernah, aber nicht naiv sein.

          Günstige Bewertungen

          Um einschätzen zu können, was die Bewertung taugt, brauchten wir zudem auch ein wenig Wissen darüber, was die Bewerter taugen. In einem Fall, der am Landgericht München anhängig ist, geht es genau darum. Das Portal „Holidaycheck“ hat Klage gegen die in Belize ansässige Firma „Five Star Marketing“ eingereicht, die gegen Zahlung von übersichtlichen Summen günstige Bewertungen verkauft. Die Holidaychecker hegen den Verdacht, diese Bewertungen beruhten gar nicht auf einer Prüfung der Hotels, um die es geht.

          Die Fünfsterne-Verkäufer bestreiten das energisch, jedem Urteil liege ein tatsächlicher Hotelbesuch zugrunde. Es prüften, sagt die Firma, „echte Menschen“, hatte allerdings Schwierigkeiten das im Verfahren nachzuweisen. Man kann auch den Verstand verwenden: Denn eine günstige Bewertung beispielsweise des Hotel Negresco in Nizza setzt voraus, dass dessen Kunden spontan auf der Webseite von „Five Stars“ vorbeischauen. Bei einem Zimmerpreis von um die 450 Euro pro Nacht würde sich nämlich eine Übernachtung rein zu Bewertungszwecken nicht lohnen. Der Kunde muss also schon dagewesen sein, Five Stars kennen und sich überdies in bewertungslustiger Stimmung befinden.

          Das gilt selbst für Hölderlin-Biographien, denn wer würde eigens eine dafür erwerben, um durch seine Bewertung 13 Euro minus Five-Star-Profit einzustreichen? Das Geschäftsmodell der Firma ist insofern beeindruckend. Sie verfügt offenbar über ein riesiges Netzwerk an Hölderlin-Lesern und Negresco-Buchern, das zudem gegen eine geringe Aufwandsentschädigung wohlwollende Urteile abgibt. Denn für eine nicht wohlwollende dürfte der Kunde ja nicht einmal die 20 Euro ausgeben mögen, die eine Five-Star-Bewertung kosten kann. Dürfen wir an dieser Stelle den Verdacht äußern, dass manches im Internet wie im wirklichen Leben und in seiner Wirtschaft einfach nur ein Intelligenztest ist?

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