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Kommentar zur DSGVO : Der Kunde ist wieder König

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Letzte Nacht ist die neue EU-Datenverordnung in Kraft getreten. Dank ihr werden wir von viel elektronischem Ballast befreit. Ein Hoch auf unseren neuen Paragraphen-Panzer.

          Heute ist er endlich gekommen: der Tag der Befreiung. Mit dem zwölften Glockenschlag letzte Nacht ist in Deutschland die neue EU-Datenschutzgrundverordnung – auch unter dem Kosenamen DSGVO geläufig – in Kraft getreten. Sie wird uns armselige und beladene elektronische Postfachbesitzer befreien von all dem kommunikativen Ballast, der sich jeden Tag hier ansammelt und uns die Speicher und Hirne verstopft. Denn von heute an müssen alle Unternehmen die seelsorgenden neuen Daten-Vorgaben der EU beachten und dürfen sich nicht mehr nach Belieben an unseren Datenschätzen bedienen. Die Zeit des ungezügelten Raubbaus an unseren intimen Personalien ist vorbei. Jetzt wird durchgegriffen, dem gläsernen Menschen ein Paragraphen-Panzer angelegt.

          Der Verbraucher hat jetzt bärenstarke Rechte: Auf Wunsch muss ihm ein Unternehmen nicht nur alle Daten vorlegen, die es von ihm gespeichert hat, es muss diese auch berichtigen oder sogar ganz löschen, wenn er darauf besteht. Artikel 17 sieht ein explizites „Recht auf Vergessenwerden“ vor und öffnet damit langersehnte Hintertüren zur Freiheit – Freiheit von unzähligen, unerwünschten Newslettern zum Beispiel oder Werbemitteilungen von Dienstleistern aller Art, denen man in schwachen Momenten die Datenspeicherung erlaubt hatte, weil es ein Auto zu gewinnen gab oder man unbedingt das W-Lan nutzen wollte. Sie alle hätten sich von uns bestätigen lassen müssen, dass sie uns auch in Zukunft bombardieren dürfen. Früher reichte dafür die konkludente Willenserklärung aus, ließ sich also der unterlassene Widerspruch des Kunden schon als Zustimmung werten. Das ist jetzt nicht mehr so: Die Unternehmen brauchen unser einvernehmliches Ja-Wort, dürfen nicht einmal mehr vorsorglich die Häkchen in den Zustimmungskästchen setzen, sondern müssen bangen und zittern, ob wir uns dafür entscheiden, mit ihnen weiterhin den Umgang zu pflegen.

          So manch enervierende Werbe-Attacke werden sie jetzt also bitter bereuen und so manch zwielichtige Datenweitergabe auch. Man konnte ja eben erst sehen, mit was für schlotternden Knien Facebook-Chef Zuckerberg hier bei uns in Europa zum Verhör schlich, mit welcher Angst er alle Fragen detailliert beantwortete; denn er weiß genau, wer hier nun die Hebel in der Hand hat: Bei uns sind jetzt wieder die Kunden König. Wir machen die Häkchen. Wir sind das Volk.

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