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Ein Haus fürs Digitale : Umzeichnet Springer!

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Berliner Wolkenkuckucksheim: So soll die Axel-Springer-Cloud nach Ole Scheerens Entwurf ummantelt werden. Bild: Ole Scheeren

Wenn ein Verlagshaus sich in ein Digitalhaus ummodeln möchte, braucht es dafür andere Bauten. Drei architektonische Entwürfe konkurrieren in Berlin um die neue Welt an der Kochstraße.

          Wenn Jurys von Architekturwettbewerben statt eines Siegers mehrere ausrufen, ist das fast immer ein Zeichen von Unschlüssigkeit. Im Fall des künftigen Axel Springer Campus in Berlin ist die Wahl von drei gleichberechtigten Favoriten, unter denen man bis Mitte Januar 2014 den Sieger ausfindig machen will, aber ein Zeichen, dass die Preisrichter sich der Bedeutung ihres Urteils bewusst sind: Man kann zu Recht von einer epochalen Entscheidung reden. Denn es geht darum, unserem das Unterste zuoberst kehrenden digitalen Zeitalter in der deutschen Hauptstadt ein Zeichen zu setzen – einen bildhaften Großbau, der die elementare Wende, die unser gesamtes Denken und Handeln verändert, Gestalt werden lässt.

          Spätestens seit der Jahrtausendwende entstanden auch in Deutschland schon Bauten, die diese Veränderungen spiegelten: Malls, deren Fassaden das Leuchten, die Glätte und formale Geschmeidigkeit von iPods und Tablets vorwegnahmen; Hochhäuser in Frankfurt und Berlin, Düsseldorf oder München, deren Fassadenhüllen so irreal flimmern wie die Animationen, denen sie entsprungen sind; Automuseen und Autohäuser, die dem Geschwindigkeitsrausch Denkmäler setzten, deren rasante Formen den Chiffren von Aerodynamik und Tempo entsprechen.

          „Eine radikal neue Ästhetik“

          Bei vielen dieser Bauten ist die Affinität zur digitalen Welt eher hinterrücks zustande gekommen oder Ergebnis der stetigen Suche nach spektakulärem Design. Und ihnen stehen ebenso viele Bauten gegenüber, die mit Steinhüllen und betont bodenständigen Proportionen zeitenthobenes Beharrungsvermögen signalisieren. „Inseln im Strom der Zeit“ hat sie der Architekturtheoretiker Vittorio Magnago-Lampugnani genannt.

          Zu wenig digital: Der Bau-Vorschlag von BIG (Bjarke Ingels Group).

          Eines der ersten Gebäude, das Datenströme ausdrücklich zum Thema hat, leugnete sie: In diesen Tagen beginnt in Menlo Park bei San Francisco Frank Gehry mit dem Erweiterungsbau des Facebook-Konzerns, den er als quasi vom Computer unbefleckte Insel der Seligen gestaltet. Springer will anderes: Für dessen Zentrale, die am traditionellen Standort entstehen, aber dem Umbau des Unternehmens zum Digitalisierungs-Konzern dienen soll, fordert sie eine „radikal neue Ästhetik“, die neue Arbeitsweisen ermöglicht und „den zentralen Standort neu definiert“.

          Erinnerungen an James Bond werden wach

          Die Teams OMA (Rem Koolhaas), BIG (Bjarke Ingels) und Ole Scheeren lieferten unter achtzehn Bewerbern die in den Augen der Jury beeindruckendsten Entwürfe. Alle drei Büros sind ausgewiesene Spezialisten auf dem Gebiet des Großbaus. Das dänische Büro BIG, das sein Handwerk bei Rem Koolhaas lernte, erregt seit einigen Jahren Aufsehen mit molekularen Großsiedlungen in Skandinavien und baut derzeit die Grove at Grand Bay Towers in Miami. OMA unter dem Niederländer Rem Koolhaas ist weltweit berühmt für giganteske Baukomplexe, die als labyrinthische, überwältigende High-Tech-Collagen die Lust an und den Schrecken vor der globalen Verstädterung ausstrahlen. Ole Scheeren, in Karlsruhe aufgewachsen, heute in China lebend, baute, damals noch Partner von Rem Koolhaas, das China Central Television, einen zweibeinigen, in einem gekippten Dreieck endenden Glaszyklopen mit Stahlgeflecht, der neben dem Olympiastadion das Wahrzeichen des neuen Peking wurde; 2014 wird in Bangkok der „Mahanakhon“ des seit 2010 selbständigen Architekten fertiggestellt, mit 310 Metern einer der sehr hohen Wolkenkratzer Asiens.

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