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Ein Besuch bei Buddy Elias : Die Franks aus Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Bei Buddy Elias ein Familienporträt unter anderen: Fotografie von Anne Frank Bild: Frank Röth

Der Cousin von Anne Frank will wesentliche Dokumente, Briefe und Objekte an das neue Familie-Frank-Zentrum in Frankfurt übergeben. Zu Gast bei Buddy Elias.

          Wir reden und reden. Bernhard Elias, genannt Buddy, ist ein beneidenswert fitter Mann von sechsundachtzig Jahren, und wenn sein Gehör, der einzige altersbedingte Schwachpunkt, den Dienst versagt, wiederholt seine Frau Gerti ihm die Fragen. Obwohl sie nicht lauter spricht als alle anderen, versteht er auf Anhieb. Ansonsten bewegt er sich mit einer staunenswerten Elastizität, er federt durch den Raum. „Ich habe einen Rücken wie ein Mädchen!“ freut er sich. Jeden Morgen macht er seine Yogaübungen samt Kopfstand.

          Aus seiner gummiartigen Gelenkigkeit hat er eine Karriere gemacht, auf Schlittschuhen. Wir reden von seiner Karriere als Clown bei „Holiday on Ice“, dann als Schauspieler an der Seite von Günter Strack in „Mit Leib und Seele“. Spontan verfällt er in hessische Mundart, die hat er sich bei seiner Mutter Leni abgelauscht, 1893 in Frankfurt geboren, hat sie auch in der Emigration kein Schwyzerdütsch gelernt: „Die hat gebabbelt bis zum Schluss.“

          Auf dem schönen Buch, das Miriam Pressler 2009 über die Familie Frank geschrieben hat, „Grüße und Küsse an alle“, sieht man den kleinen Bernhard von drei Jahren, mit Wollmütze und Schnürschuhen, stolz, den Rücken durchgedrückt, auf einem Bürgersteig der Frankfurter Innenstadt. Frankfurt ist der Ursprung der Familie, bis der Hass der Mehrheit sie vertrieb, als sich der uralte Antisemitismus in seine mörderischste Form fügte, wovon wiederum ein Mädchen dieser Familie das wichtigste Zeugnis geben sollte.

          Ein bewegender Nachmittag

          Buddy erzählt seine Geschichte und die der weniger bekannten Familienmitglieder, von den Reisen, seinen Söhnen. Einer von ihnen gab das Erdmännchen in der Hamburger Fassung des „Königs der Löwen“ - das beste Musical überhaupt, finden beide Eltern, erkennbar um einen objektiven Gesichtsausdruck bemüht. Ich frage nach Elvis, wie er hinter die Bühne der Eislaufrevue kam, um dem Clown Buddy die Hand zu schütteln. Ein Clown auf Kufen, das ist nicht gerade das, was man mit dieser Familie verbindet, aber an diesem sonnigen Februarnachmittag wirkt alles so lustig und gleitend, das Jahrhundert ist eine Akrobatie, es geht drunter und drüber zu passender Musik.

          Buddy Elias, Anne Franks Cousin in Basel. Bei dem Porträt im Hintergrund, es ist nur im Vollbild sichtbar, handelt es sich um ein Porträt seiner Großmutter Alice. Der Frankfurter Maler Schlesinger schuf das Bild im Jahr 1869

          Ich habe nicht so viel nach der ersten Hälfte des Jahrhunderts gefragt, nicht nach der einen Cousine, deren Foto inmitten all der anderen dieser großen, tollen Familienporträts, die so weit zurückreichen, kaum auffällt. Und doch bekommt Buddy ihretwegen diese seltsame Post: „Vor kurzem hat mir ein junges Mädchen aus den Vereinigten Staaten geschrieben, Anne Frank sei ihr Leben, sie trage jeden Tag einen Anne-Frank-Button und darum wolle sie Buddy Elias lieber treffen als den Justin Bieber!“ Er amüsiert sich und das Lachen geht durch seinen ganzen Körper, wie eine Welle.

          Aufklärung und Völkerverständigung als Ziele

          Es ist lange her, dass er Anne, die zweite Tochter seines Onkels Otto, das letzte Mal gesehen hat, aber er hat die Rolle ihres Sachwalters voll und ganz angenommen, mit Stolz, ohne Bitterkeit und nicht ohne den Humor zu verlieren. Er ist der Präsident des Anne Frank Fonds, und das ist keine Kleinigkeit, denn längst hat sich bewahrheitet, was eine Agentin seines Onkels einmal sagte: „Anne Frank is business.“

          Das „Tagebuch der Anne Frank“ ist eines der weltweit am meisten gelesenen Bücher, verkauft sich auch heute noch in kaum fassbaren Dimensionen. Der von ihrem Vater Otto gegründete Fonds wacht über die Rechte, die Buchausgaben und die Verwendung der erlösten Gelder, die nur für die Stiftungszwecke der Aufklärung und Völkerverständigung verwendet werden dürfen. Die Familie darf keinen Franken davon haben, und es würde ihnen auch nicht einfallen, einen zu verlangen.

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