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Ein Besuch bei Bastei Lübbe : Das Geld kommt immer wieder zurück

  • -Aktualisiert am

Die Verlagsgruppe Bastei Lübbe hat Eichborn gekauft - ohne „Die Andere Bibliothek“. Was erwartet das letzte Aufgebot des früheren Frankfurter Sponti-Verlags bei den Kölnern? Ein Hausbesuch.

          7 Min.

          Einst war die Eichbornfliege das bekannteste deutsche Insekt nach Gregor Samsa und der Steinlaus. Heute aber ist nicht mehr viel übrig vom Maskottchen des 1980 von Vito von Eichborn und Matthias Kierzek gegründeten Frankfurter Sponti-Verlags. Mit Blödelei stemmte sich der Verlag „mit der Fliege“ damals gegen die Verblödung. Womöglich hätte es sich bald ausgelacht gehabt, doch 1989 war auch Eichborns Wendejahr: „Die Andere Bibliothek“ von Enzensberger und Greno kam ins Programm. Eichborn, das war seither die unmögliche Balance aus gelehrtem Anspruch und provokativem Nonsens. Beides stützte sich gegenseitig. Bücher, das konnte man bei Eichborn; Buchführung nicht. Vito von Eichborn stieg 1995 aus, Kierzek blieb. Der Börsengang 2000 brachte Geld, aber die Probleme nahmen zu. Schließlich liefen auch noch die Goldesel davon, Walter Moers, Sven Regener, Karen Duve. Zuletzt kam die Insolvenz. Vor wenigen Wochen wurde Eichborn aufgekauft von der Verlagsgesellschaft Bastei Lübbe.

          Der profitable Heftchen-, Fantasy- und Vatikanthriller-Verlag Bastei Lübbe - ein Familienbetrieb, kein Großkonzern - saß bis vor zwei Jahren in Bergisch Gladbach. Inzwischen jedoch residiert das Imperium Stefan Lübbes im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Kabelherstellers Felten und Guillaume in Köln-Mühlheim, Kreuzung Schanzenstraße/Keupstraße. Das Gebäude sieht aus wie ein einäugiger Riese.

          Güldene Imposanz, zuverlässiger Gewinn

          Drei Eichborn-Mitarbeiter haben das Übernahmeangebot von Bastei Lübbe angenommen und werden bald die 195 hiesigen Angestellten verstärken. Dem Frankfurter Verlag aber fehlt ein Flügel: „Die Andere Bibliothek“ geht zu Aufbau nach Berlin. Dafür bekommen Eichborns Titel nun neue Geschwister mit imposanten Namen: „Dämonenzeit“, „Sohn der Verdammnis“ oder „Im Wald der stummen Schreie“. Auch Mädchen sind darunter: „Und immer war’s der Mann fürs Leben“ oder „Nacktbaden im Winter“. Es leben zudem seltsame Ritter unter diesem Dach.

          Finster ist das Mittelalter in Köln-Mühlheim indes nicht, eher gülden: Der Verlag Bastei Lübbe, bei dem es vor anderthalb Jahrzehnten einmal recht düster aussah, schwimmt heute dank Ken Follett, Dan Brown und Rebecca Gablé wieder in Geld. Auch Dauerbrenner wie John Sinclair oder Jerry Cotton werfen zuverlässig Gewinn ab. Wem das alles unvereinbar mit Eichborn scheint, für den gibt es den aktuellen Lübbe-Titel „Heilige Scheiße“, was doch nach bester „Kleines Arschloch“-Tradition klingt. Zwei Lübbe-Lektoren haben das Buch geschrieben; es handelt von Religion im postreligiösen Zeitalter.

          Millionen mit Gratissekt und Du-und-ich-Geschichten

          Am Abend ist das Glasfoyer hell erleuchtet. Hunderte Frauen und vielleicht acht Männer lümmeln dort zwischen Stapeln rosafarbener Bücher auf Sitzsäcken herum. Die Männer, mit denen ich rede, sagen, sie seien nur als Fahrer hier. Zu hören ist eine erzbiedere Beziehungsgeschichte (Frau merkt auf aufwendige Art, die eine Zeitreise beinhaltet, wie toll ihr Mann ist), die so vorhersehbar, gezwungen komisch und stilistisch nullwertig ist, dass sie sich nur mit viel Gratissekt ertragen lässt, der aber auch reichlich fließt. Kerstin Gier heißt die Autorin, offenbar ein Megastar, eigentlich aber nur eine Frau wie Du und ich aus Bergisch Gladbach, die Du-und-ich-Geschichten schreibt. Welche sich millionenfach verkaufen. Auf dem Cover ist ein Esel.

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