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Ein Besuch bei Bastei Lübbe : Das Geld kommt immer wieder zurück

  • -Aktualisiert am

Auf den Kulturauftrag wird verzichtet

Gibt es überhaupt richtige Ladenhüter bei Lübbe, an denen man nur aus Liebhaberei festhält? „Bei einem Buch, bei dem man dauerhaft rote Zahlen schreibt, stellt sich natürlich die Frage: Wollen wir das?“ Und Kluge schiebt nach: „Wir machen ja keine Literatur bei Bastei Lübbe, sondern Genre-Unterhaltung. Das ist bei Eichborn etwas anderes.“ Warum aber überhaupt Eichborn? Die Idee gehe auf den Verleger zurück, bereits vor einigen Jahren habe es erste Gespräche gegeben. „Was uns interessiert hat“, sagt Kluge, „war die ungeheure Markenstärke. Die Leute glauben an die Marke.“

Doch was ist die Marke Eichborn ohne „Die Andere Bibliothek“? Schweren Herzens, sagt Kluge, habe man sich gegen das Prestige-Unternehmen Eichborns entschieden. Mitnichten also war es so, dass sich Aufbau das Filetstück bereits gesichert hatte, wie es manche Pressemitteilung nahelegte. Bastei Lübbe verschmähte schlicht das Intellektuelle: „Man muss da auch einfach nüchterner Rechner sein. Bis auf ein Jahr hat ,Die Andere Bibliothek’ nie Geld verdient.“ Man schätze das Feuilleton natürlich sehr, aber das Produkt müsse sich letzten Endes doch verkaufen. „Wenn der Buchhandel schon sagt: Nett, aber ich brauche es nicht, dann ist die Frage: Haben wir da einen Kulturauftrag, oder ist es doch verzichtbar?“ Es müsse nicht alles in alle Ewigkeit bestehen.

Hochliteratur für Endverbraucher

Was soll Eichborn bei Lübbe denn nun genau sein? Vor allem anders. Gegen den Strich müsse hier gedacht, immer zugespitzt werden. „Das Programm soll in Abgrenzung zu dem Wohlfühl-Programm des Popularverlags Bastei Lübbe provokativ und aktuell sein, es soll all das machen, was Lübbe nicht abgenommen würde. Auch Hochliteratur und politische Bücher.“ Die Aufgabe des neuen Leiters werde es sein, den Genre-Anteil wieder herauszunehmen, die noch nicht verlorenen guten Autoren wie Klaus Modick zu pflegen und um diese herum neue Stimmen aufzubauen: „Ich sage mal: Eine Helene Hegemann oder ein Sascha Lobo wären da gut aufgehoben.“ (Hegemann und Lobo, Hochliteratur?) Fünfzig Titel im Jahr peile man an, zwanzig im Frühjahr, dreißig im Herbst. Die Backlist habe man genau studiert und etwa fünfhundert weiter verwertbare Titel übernommen.

Ist etwas dran an den Gerüchten über eine Rückkehr des Namengebers? „Vito von Eichborn hat sich bei uns gemeldet und angeboten, als eine Art Scout zu arbeiten“, sagt Kluge. „Das bedeutet: uns Themen anzubieten wie jeder andere Agent auch. Vito wird hier aber nicht angestellt, das wäre auch falsch. Er hat den Verlag einmal sehr geprägt und ist hochkreativ, aber - die Entscheidung darüber obliegt dem künftigen Verlagsleiter.“ Dieser braucht jedenfalls Mut und Kraft und möglichst viele eigene Verbindungen, soll Eichborn mehr sein als ein reines Lübbe-Label. Er muss sich tatsächlich absetzen vom Ethos des Hauses, das auch darin zum Ausdruck kommt, dass Klaus Kluge die Leser gern „Endverbraucher“ nennt. Kann das gelingen? Vielleicht. Dass sich eine Fliege in der Not vom Teufel fressen lässt, könnte das nicht auch subversiv sein? Nein? Warten wir ab.

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