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Ein Besuch bei Bastei Lübbe : Das Geld kommt immer wieder zurück

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Letztere war jüngst gefordert: Fünf Monate Zeit und ein Etat von fünftausend Euro wurden bereitgestellt, um das Buch der Zukunft zu entwickeln. Heraus kam eine auf der Buchmesse mit karnevaleskem Mönchspomp vorgestellte „digitale Weltneuheit“, die sich als ein um Filmchen und Spielchen erweitertes E-Book entpuppte, dessen Episoden sukzessive erscheinen. Der Inhalt: eine Vatikanverschwörung. Viel digitales Pergament und mystisches Geklingel also. Der Preis für das Dan-Brown-Remake war mit knapp dreißig Euro für die Vollversion wohl etwas zu hoch angesetzt, gibt man im Verlag heute zu, aber das Prinzip funktioniere.

Ein Rambo mit Geschmack

In der Tat scheint der alte Serienroman, Bastei Lübbes Spezialität, dem elektronischen Publizieren sehr angemessen. Zurzeit arbeitet man an Staffel zwei und drei von „Apocalypsis“. Mit knapp anderthalb Millionen Euro Umsatz (erwartet war für 2011 nur eine Million) liegt Lübbe im E-Book-Sektor weit vorn, auch wenn das nur ungefähr zwei Prozent des Gesamtumsatzes von 72 Millionen Euro ausmacht. Höher - wenngleich sinkend - ist der Anteil von Lübbe Audio mit etwa neun Prozent, wobei man sich an der Faustregel orientiere, dass sich etwa ein Zehntel der Buchauflage als Hörbuch verkaufen lasse, was sich erst ab einer Buchauflage von dreißigtausend Exemplaren rechne. Im Keller des Hauses befindet sich ein eigenes Tonstudio, in dem viele der Hörbücher produziert werden.

Warum aber sieht das Haus aus wie ein Zyklop? Dafür ist eine Schiffsluke im sechsten Stock verantwortlich, ein Sonderwunsch des Verlegers. Dahinter befindet sich sein beeindruckendes Büro, wobei den Besucher zunächst ein bulliger Kampfhund anstiert. Die Statue mag daran erinnern, dass Stefan Lübbes im Internet kursierender Spitzname „Rambo“ lautet, was vielleicht auf den langen, vor fünf Jahren zu seinen Gunsten entschiedenen Kleinkrieg mit der Schwester und Miterbin Cornelia Lübbe-Roggen zurückgeht. Im Verlag aber, so versichert man auf allen Fluren, werde der Name „Rambo“ nicht gebraucht. Im Regal prangt an zentraler Stelle Georg Brunolds bei Galiani erschienenes Mammutwerk „Nichts als die Welt“. Der Mann hat Geschmack.

Die „untere Midlist“ nicht vernachlässigen

An dem großen ovalen Tisch, an dem auch über die Zukunft Eichborns entschieden worden ist, sitzt mir der Geschäftsführer Klaus Kluge gegenüber. Ich möchte wissen, ob die Einkaufstour mit der Erwerbung Eichborns sowie der im Non-Book-Segment der Buchhandlungen stark präsenten Wohnzubehör-Firma Räder nun beendet ist. Keineswegs, antwortet Kluge, erst die Hälfte der im Herbst 2011 mittels einer Unternehmensanleihe eingestrichenen dreißig Millionen sei investiert. Es gebe weitere Angebote, doch einfach Verlage sammeln wolle man nicht, sondern eher in den Bereich E-Media investieren.

Könnte der Verlag ohne Ken Follett, Dan Brown und Rebecca Gablé überleben? Der Geschäftsführer glaubt geschäftsführergemäß, dass das ginge. 2011 beispielsweise sei von Brown und Follett nichts erschienen, aber man habe etwa drei Millionen Exemplare von Jeff Kinneys „Gregs Tagebuch“ verkauft. So könne man beruhigt ins neue Jahr starten, in dem der nächste Follett erscheine. Außerdem sei die „untere Midlist“ nicht zu vernachlässigen: „Man braucht auch Autoren, die sich im Umfeld von fünf- bis zehntausend Exemplaren bewegen.“

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