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Ein Besuch bei Bastei Lübbe : Das Geld kommt immer wieder zurück

  • -Aktualisiert am

Doch dann erweist sich Frau Gier im Gespräch als äußerst charmant. Die Atmosphäre ist phantastisch, kein bisschen eingebildet. Der Moderator, der von RTL kommt, was er mit „Richtig Tolle Literatur“ übersetzt, hat zwar noch nie von Hunter S. Thompson gehört, dafür kennt er alle Kerstin-Gier-Romane. Warum soll Erfolg anrüchig sein, nur weil das Buch läppisch ist? Stuss publiziert hat Eichborn ja auch, vor allem zuletzt, aber damit nicht einmal Geld verdient. Hier dagegen Sekt, edle Häppchen. Ich beschließe, bei Licht wiederzukommen.

Im Dachgeschoss lockt ein Glücksspielautomat

Und da bin ich nun. Die Dame am Empfang bietet Kekse und Pralinen an. Das ist mal ein Willkommen. Dann aber muss man rückwärtig aus dem schicken Foyer heraus in einen kahlen Treppenschacht und mit rumpelndem Aufzug den Fundus der Kölner Bühnen durchqueren, der den unteren Teil des Gebäudes belegt. Das eigentliche Lübbe-Reich beginnt in der vierten Etage. Was man aus einem schmalen Kasten, der eigentlich nur aus sechs langen Fluren übereinander besteht, alles machen kann! Die sparsamen Geschäftsführer wollten zunächst zwar die alten Stahlschränke einfach weiternutzen. Doch zum Glück hat sich die Innenarchitektin durchgesetzt und jede Verwaltungsgebäudemuffigkeit herausmodernisiert. In „Meeting Points“ sind Kaffeebars und Gemeinschaftsdrucker untergebracht. Alles wirkt offen, freundlich, professionell. Man merkt: Produktivität ist die Maxime. Nur die Zitate an den Wänden, nun ja, die mussten wohl von Hausautoren stammen.

Von der Dachterrasse hat man eine befreiende Aussicht: Domblick. Dort oben befindet sich noch ein einzelnes Zimmer, in dem man eigentlich Autoren einsperren wollte, die nicht rechtzeitig fertig werden, „Writers in Residence“, aber das hat die Hochhausverordnung nicht erlaubt: Fluchttreppen wären nötig gewesen. Deshalb wurde ein Spielzimmer daraus mit Kicker, Billardtisch, Glücksspielautomaten. Glücksspielautomaten? Das Geld komme immer wieder zurück, wird beteuert. Kein schlechtes Motto für den Verlag, der nicht eben für riskante Manöver bekannt ist.

Karnevalesker Mönchspomp auf der Buchmesse

Top-down werden in der Kölner Schanzenstraße Bücher produziert. Die sechste, blaue Etage beherbergt neben der Presseabteilung, seit zweiundzwanzig Jahren das Reich Barbara Fischers, die Geschäftsführung. Neben dem Verleger Stefan Lübbe sind das Klaus Kluge, Thomas Schierack und der ehemalige Eichborn-Vertriebsleiter Bodo Horn-Rumold, hier zuständig für die Verlage Baumhaus und Boje. Vermutlich wird auch der neue Kopf des Eichborn Verlags, den man gerade händeringend sucht (nicht zuletzt über interne Ausschreibungen, die überall im Haus aushängen), in der blauen Etage residieren. Wenn es hier oben das Okay gibt, geht es für den Autor in der fünften, grünen Etage weiter. Hier sitzt das Lektorat. Noch ein Stockwerk tiefer, ganz in Orange gehalten, finden sich die Herstellung sowie die Kreativwerkstatt der jungen Wilden (Bastei Entertainment).

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