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Eigentumsansprüche : Hohenzollernring

Hoffentlich kommen nicht auch noch die Karolinger: Grüße vom Hohenzollernring. Bild: Picture-Alliance

Hier muss doch noch was zu holen sein: Mit den Hohenzollern verhandelt man am besten nur noch per Anwalt. Eine Glosse.

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          Seine Königliche Hoheit ist indigniert. Die Vermögensberater sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Zugegeben, was die Hohenzollern alles besitzen, besessen haben und vor allem wieder besitzen wollen, das ist ein weites und vor allem ein schwer zu überblickendes Feld: Schloss Cecilienhof, Schloss Lindstedt, die Villa Liegnitz, Immobilien, Möbel, Porzellan, Textilien, Familienmuseum, Hausbibliothek, Hausarchiv, die Totenmaske vom Alten Fritz und etwa siebentausend Kunstwerke! *

          Aber auf Köln hätten die Consultants, um dem Anspruch Nachdruck und der Zivilliste Gewicht zu geben, gleich kommen müssen. An die Stadt, die den Hohenzollern unendlich viel zu verdanken hat, der Dom wäre ohne sie bis heute ein Torso, stellen sie nun auch Forderungen. Sie wollen den Ring zurück, den Hohenzollernring. Der ist ein Schmuckstück oder war es zumindest mal, als Josef Stübben die Stadt, die dafür den inneren Befestigungsring abgerissen hatte, wie Wien aussehen lassen wollte. Gründerzeitstolz, 687 Meter Grand-Elysée-Atmosphäre. Da muss, auch wenn die Maximalforderung Rückgabe übers Ziel hinausschießt, doch was zu holen sein.

          Die Ubier haben sich auch schon gemeldet

          Im Kölner Rathaus ist das Schreiben des Adelsanwalts wie eine Granate aus einer preußischen Haubitze eingeschlagen, die Oberbürgermeisterin soll auf den Schreck hin leise „Kölle Du uns Stadt am Rhing“ – das „h“ hört ja keiner – von den „Bläck Fööss“ angestimmt haben. Mitten in die Beratungen über den Doppelhaushalt hinein und während ihrer Überlegungen, sich der Wiederwahl zu stellen, hat ihr das gerade noch gefehlt: „Das ist in etwa so, wie wenn der Effzeh gleich wieder absteigen und das Richter-Fenster aus dem Dom nach Berlin verfrachtet würde“, soll ihr im vertraulichen Kreis der Dezernenten herausgerutscht sein: „Die Ubier haben sich auch schon gemeldet.“

          Das Stadtoberhaupt befürchtet einen Dominoeffekt. Denn Ubier, Karolinger, Sachsen, Salier, Hohenstaufen, Habsburger sind hier ebenfalls vertreten, sie alle haben in Köln einen Ring. Der Leiter des Rechtsamts hat die OB zu trösten versucht: „Seien Sie doch froh, dass es nicht auch noch einen Welfenring gibt. Haben Sie nicht mitbekommen, was da mit der Marienburg läuft, nein, nicht mit unserem Villenviertel, sondern mit dem Schloss bei Pattensen?“ Berlin um Beistand zu bitten kommt, vorerst zumindest, nicht in Frage. So wach ist das antimonarchistische Selbstbewusstsein in Köln dann doch noch.

          Auf die Hauptstadt ist man hier nicht gut zu sprechen, aus Tradition nicht und in jüngster Zeit schon gar nicht. Erst verhandelt die Kulturstaatsministerin mit den Hohenzollern, was ja konzediert, dass es etwas zu verhandeln gibt, dann hofiert sie mit einem Erbschaftsteuerdeal Gerhard Richter, um ihm Werke abzuschwatzen, wo Köln seinem Ehrenbürger doch ein eigenes Museum hinstellen wollte. Und jetzt auch noch der Ring! Ihn zurückzugeben, darüber besteht in Köln ausnahmsweise Einigkeit, würde nicht den Hohenzollern, aber dem Fass, das sie aufgemacht haben, die Krone aufsetzen.

          * Hinweis der Redaktion: Es wird klargestellt, dass durch diese Formulierung keineswegs zum Ausdruck gebracht werden sollte, dass die Hohenzollern die Einrichtung eines Familienmuseums und/oder die Rückgabe der Totenmaske vom Alten Fritz fordern.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

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