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Eiersuche bei Cadbury : Nur nicht Ostern erwähnen

  • -Aktualisiert am

„Creme Eggs“ von Cadbury Bild: dpa

Der britische Schokoladenhersteller Cadbury möchte seine Schoko-Eier an Anhänger aller Religionen verkaufen – und nennt sie deshalb nicht mehr Ostereier. Geistliche und Politiker sind empört.

          Weihnachten war kaum vorbei, als die britischen Supermärkte die ersten Ostereier in die Regale stellten. Bloß, dass das Konfekt der Firma Cadbury nicht als Osterei gekennzeichnet ist, sondern lediglich als Schokoladenei. Das wurde vielerorts als weiteres Zeichen für den Vormarsch der Konsumkultur beklagt. Nun hat der Süßwarenhersteller, der einst für britische Tradition stand, inzwischen jedoch in amerikanischer Hand ist, frischen Zorn auf sich geladen wegen seiner von ihrer christlichen Symbolik losgelösten Produkte. Seit zehn Jahren lockt die Denkmalschutzorganisation National Trust in Partnerschaft mit Cadbury Hunderttausende von Besuchern zum Ostereiersuchen auf ihre Liegenschaften. Die bislang als „Ostereierpfad“ angepriesenen Veranstaltungen werden jetzt aber nur noch als „Cadbury Eiersuche“ bezeichnet.

          Das trug dem National Trust seitens der anglikanischen Kirche die Rüge ein, den christlichen Glauben aus seinen Osterfeierlichkeiten „wegretuschieren“ zu wollen. Der Erzbischof von York schimpfte, dass die Entfernung des Wortes Ostern damit vergleichbar sei, wenn man auf das Grab des Firmengründers John Cadbury, eines frommen Quäkers, spuckte. Theresa May stimmte aus dem Mittleren Osten in den Chor der Empörung ein: Die aus einer Pfarrerfamilie stammende Premierministerin, die Mitglied des National Trust ist, nannte das Vorgehen „völlig absurd“. Als guter Sozialist nahm der Labour-Parteiführer Jeremy Corbyn dagegen lediglich Anstoß daran, dass es mit dem Kommerz etwas zu weit getrieben werde, wenn Ostern durch den Herstellernamen ersetzt werde. Der National Trust hat auf seiner Website versucht, durch nachträgliche Hinzufügung von Hinweisen auf Ostern den Schaden zu begrenzen, doch er bestritt genauso wie Cadbury’s, die Bedeutung des christlichen Festes heruntergespielt zu haben. Die Kritiker fühlen sich allerdings durch den Wortlaut der Erklärung bestätigt, der zufolge Cadbury’s sich wünscht, dass „Menschen aller Religionen oder auch keiner unsere saisonalen Leckereien genießen“.

          Der Argwohn gegen politisch korrekte Rücksichtnahmen, die auch zur Weihnachtszeit bemängelt werden, wenn Schulen, wie immer häufiger üblich, das traditionelle Weihnachtsstück in „Winter-“ oder „Saisonfeiern“ umwidmen, wird freilich auch durch den zunehmend in Frage gestellten Kurs des National Trust genährt. Der gemeinnützigen Stiftung wird unterstellt, eine soziale Agenda zu fördern, bei der Belehrungen über die Übel der Sklaverei und der Diskriminierung aufgrund von Klasse, ethnischer Herkunft oder Geschlecht sowie eine Kampagne gegen den Klimawandel wichtiger sind als die Betreuung des historischen Erbes. Manche Briten haben das Oster-Debakel als Sturm im Eierbecher abtun wollen, zumal in Hinblick auf die von der Kirche ja auch nur okkupierte vorchristliche Symbolik des Eis. Die breite Reaktion zeugt jedoch vom Empfinden, dass herkömmliche kulturelle Werte durch Eingriffe kompromittiert werden, die es „allen Religionen und keiner“ recht machen wollen. Sie entspringen demselben Geist wie das jüngste Beispiel sprachlicher Maßregelung: die Drohung einer Fakultät der Universität Hull mit Notenabzug, wenn Studenten es in ihren Aufsätzen versäumen, gendersensible Wörter zu verwenden.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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