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Eichborn-Verlag : Letzte Vorstellung

  • -Aktualisiert am

Jetzt schon eine Rarität Bild: Eichborn Verlag

Filme lassen uns lachen, und Filme lassen uns weinen. Der insolvente Eichborn-Verlag bringt ein vergnügliches Buch zu Liebesfilmen heraus, dass schon am Abend der Vorstellung eine Rarität ist.

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          Es wurde überraschend viel gelacht an diesem Abend, der doch wahrscheinlich die Dernière des Eichborn Verlags war. Die ausgelassene Stimmung unter der Discokugel des Frankfurter „Orange Peel“-Clubs resultierte jedoch nicht aus hysterischer Verzweiflung der Anwesenden über den Fall des Hauses Eichborn, sondern war die Folge einer gelungenen Buchpräsentation.

          Statt eines Tanzes auf dem Vulkan – eine Anleitung zur Leichtigkeit. Denn das Buch „Lieb mich wie im Film“ erinnert in seiner frechen Unbekümmertheit an die gute frühe Eichborn-Zeit. Alexandra Maxeiner prüft darin die schönsten Liebesfilme auf ihre Alltagstauglichkeit und verrät mit viel Witz, wie sich die großen Momente der Leinwand und des Taschentuchs ins eigene Leben holen lassen. Von „Ein Herz und eine Krone“ über „Harry und Sally“ bis zu „Reifeprüfung“, „Sissi“ und „Vom Winde verweht“ sind erfolgversprechende Szenen zum Nachspielen versammelt (Haarewaschen auf Safari, Gams-Watching mit Puschelhut und Dirndl) und werden berühmte letzte Worte vor ersten Küssen zitiert („Die Tüte, ich hab’ sie vergessen“).

          Jetzt schon eine Rarität

          Auch die Statistik kommt nicht zu kurz. Sie verrät, in wie vielen der 25 Lieblingsliebesfilmen im Regen geküsst wird (3), Frauen Hüte tragen (21), jemand geohrfeigt wird (12), sich im Wandschrank aufhält (3) oder töpfert (2). Die Vorliebe für Zahlen und Tabellen teilt die Eichborn-Autorin dabei sicher mit dem aktuellen Insolvenzverwalter ihres Verlags. Seit dieser letzte Woche ins Haus gerufen wurde, hat er, so will es das Gesetz, die gesamte Maschinerie in ein künstliches Koma versetzt. Während Betriebsrat und Großaktionär noch via Pressemitteilungen um ihre jeweilige Version der Ereignisse ringen, brüten die Juristen über den Büchern, um zu sehen, was von Eichborn noch da ist – und wer.

          Die Schriftsteller haben sich im Moment des Konkurses in Gläubiger verwandelt. Denn ihre Honorare werden derzeit nicht gezahlt, die für den Herbst bereits angekündigten Bücher zum großen Teil nicht einmal mehr produziert. Momentan darf aber auch kein Autor den Verlag schnurstracks verlassen, um anderswo unterzukommen. In dem Film „So wie wir waren“ von 1973 erinnern sich Barbra Streisand und Robert Redford ihrer einstigen Liebe. „Du gibst niemals auf!“, sagt er. Darauf sie: „Nur, wenn ich dazu gezwungen werde. Aber ich bin ein guter Verlierer.“ – „Ein besserer als ich.“ – „Ich habe eben mehr Übung.“ Worte, die nicht nur auf gescheiterte Beziehungen oder verlorene Tennismatches zutreffen. Alexandra Maxeiners Buch, das uns diesen Wortwechsel überliefert, ist, noch ehe es zum Renner werden konnte, schon eine Rarität.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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