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Ehrendoktor für Putin : Dr. h.c. put.

  • Aktualisiert am

Soll in Hamburg bald Dr. h.c. werden: Putin Bild: REUTERS

Die Universität Hamburg will dem russischen Staatspräsidenten Putin die Ehrendoktorwürde verleihen. Einige ihrer Mitglieder tragen allerdings Bedenken. Doch ein ehemaliger Bürgermeister fordert von ihnen: „Maul halten!“

          Die Universität Hamburg will dem russischen Staatspräsidenten Putin die Ehrendoktorwürde verleihen. Einige ihrer Mitglieder tragen allerdings Bedenken. Immerhin ist Rußland eine ziemlich illiberale Demokratie, und Herr Putin läuft nicht gerade mit der Menschenrechtscharta unterm Arm durch sein Land. Bislang jedenfalls mußte politischen Ehrendoktoren mindestens nachgesagt werden können, sie hätten sich um die Völkerverständigung verdient gemacht.

          Herr Putin hat es in Tschetschenien bislang mehr mit der Völkerunterdrückung. "Maul halten", entgegnet Ex-Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) den Kritikern. Der Duzkumpel des Kanzlers hat für ihn viele Meriten, man solle den Mann jetzt nicht vergraulen, sonst nehme der am Ende die angetragene Ehre gar nicht an. "Maul halten" klingt natürlich ungeheuer schmissig, geradezu nach altem Offizierscasino, in Gedanken ergänzt man fast unwillkürlich zu "Henning von Voscherau". Aber andererseits ist Maulhalten in universitären Belangen eine gewöhnungsbedürftige Wendung.

          Wirtschaft berichtet nur Gutes über Putin

          Zum Glück steht die Universität Hamburg gerade mitten in jenen Reformen, bei denen auf Rat eines anderen Ex-Bürgermeisters hin nicht nur die Durchgriffsmöglichkeiten von oben nach unten verbessert werden. Die Universität soll im Zuge dieser Reform ja insgesamt näher mit den Interessen jener Handelskammer vertraut gemacht werden, aus der gerade nur Gutes über Herrn Putin, den Ex-Bürgermeister der Handelspartnerstadt St. Petersburg, zu hören ist. De commercio nihil nisi bene, wie der Lateiner sagt.

          Doch anstatt der Bedeutung nachzugrübeln, die diese Formel und das Maulhalten und die Tatsache, daß Gerhard Schröder vor kurzem in St. Petersburg ehrendoktoriert worden ist, für eine Universität und ihren Ehrbegriff haben könnten, sollte man sich lieber einer Definition zuwenden, die jener andere Ex-Bürgermeister mitgeteilt hat. Der Ehrendoktor für Politiker sei, erklärt uns Klaus von Dohnanyi (SPD), keine wissenschaftliche, sondern eine "dekorative Auszeichnung". Endlich sagt's mal einer. Reines Lametta, einer geistigen, auf Nachdenken beruhenden Leistung ganz unbedürftig.

          Für rein dekorative Zwecke

          Dohnanyi folgt seinem Plädoyer für die zügige Einführung von Bachelor-Studiengängen: Auch dort werden ja rein dekorative Zwecke verfolgt. Ein Haken aber bleibt: Durch einen Hut schmücken läßt sich jeder Kopf, ganz gleich, was durch denselben geht. Ebendarum gibt der Schmuckeffekt selber kein Kriterium her, wem man ihn aufsetzt. Schaut man sich unter den vielen Ehrendoktoraten um, die schon verliehen worden sind - der Titel ist nicht wirklich knapp -, dann werden sie mal an Gönner der Universität und mal an Leute verliehen, von denen man gern umsonst eine Rede hören möchte, mal bekommt ein "großer Sohn der Stadt", mal ein Freund des Landes und mal jemand, der damit zu weiteren Spenden aufgerufen wird, eine solche Dekoration.

          Und neben den auswärtigen Wissenschaftlern werden dann auch noch Nichtakademiker verziert, die sich außerhalb der Universität um den Erkenntnisgewinn verdient gemacht haben. Diese Vielfalt der Kriterien wird nur durch eins zusammengehalten: In allen Fällen teilt die Universität den Betreffenden ihr leises Bedauern mit, sie nicht auf normalem Wege akademisch geehrt zu haben: Du hättest gut zu uns gepaßt, Kollega, auf dich wären wir jetzt stolz. Und jetzt in der Tat kurz innehalten, an Putin denken und sich entscheiden.

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