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Reaktion aufs Rushdie-Attentat : Im Zwiespalt angesichts des Mordversuchs

  • -Aktualisiert am

Salman Rushdie Bild: AFP

Die Attacke auf Salman Rushdie findet kaum Echo in der arabischen Welt. Das liegt an religiösen Rivalitäten und politischer Vorsicht zugleich.

          3 Min.

          Anders als in Iran, hat das Attentat auf den Schriftsteller Salman Rushdie in weiten Teilen der arabischen Welt so gut wie keine Reaktionen ausgelöst. Kurz nach dem Anschlag hatte die iranische Zeitung „Kayhan“ den Attentäter mit den Worten gepriesen: „Lasst uns die Hände dessen küssen, der dem Feind Gottes mit einem Messer den Hals zerrissen hat.“ Aber die arabischen Medien hielten sich auffallend zurück. In Ägypten und Syrien wurde das Attentat in der überwiegend staatlich gelenkten Presse kaum erwähnt. In den Ländern am Golf veröffentlichten die Zeitungen zumeist Agenturberichte, eine Ausnahme bildeten allerdings die in Saudi-Arabien publizierten „Arab News“, die die Mitteilung vom sich verbessernden Gesundheits­zustand Rushdies zu einem Seitenhieb auf die iranische Regierung nutzte. Diese Nachricht, schrieb der Journalist, mache Hoffnung und mildere den Angriff „zu einem gescheiterten Versuch des ex­tremistischen iranischen Regimes, das beschuldigt wird, den Terrorismus auf der ganzen Welt zu fördern.“

          Lena Bopp
          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Zurückhaltung der arabischen Medien ist nicht überraschend und dürfte vor allem dem Selbstschutz dienen. Eine öffentliche Verurteilung des An­griffs könnte rasch zum Bumerang werden. „Sie wollen den Angriff nicht verurteilen, weil er zu Hause viele Fragen über ihre eigene Interpretation von Blasphemie aufwerfen wird und weil sie keinen Ärger mit ihren konservativen religiösen Institutionen bekommen wollen“, sagt Ayman Mhanna, der Direktor des „SKeyes Center for Media and Cultural Freedom“, das sich von Beirut aus seit Jahren um die Presse- und Meinungsfreiheit in der Levante bemüht. „Ich denke, weil es ein sehr heikles Thema ist, ist es sehr wichtig für sie, sich fernzuhalten, damit sie von den Leuten nicht an ihre eigenen Verbrechen gegenüber Freigeistern und Journalisten erinnert werden.“

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