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Düsseldorfer Theaterskandal : „Kunst deckt weder Missbrauch noch Diskriminierung“

  • -Aktualisiert am

Eine Szene aus dem Stück „Volksfeind for Future“ am Düsseldorfer Schauspielhaus in der Inszenierung von Volker Lösch Bild: Sandra Then

Die Gesellschaft ist im Wandel, doch die Theater bleiben starr? In der Debatte um die Rassismusvorwürfe am Düsseldorfer Schauspielhaus erklärt sich jetzt der Intendant. Ein Gastbeitrag.

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          Nachdem der Schauspieler Ron Iyamu am 21. März rassistische Vorfälle bei Proben am Düsseldorfer Schauspielhaus öffentlich gemacht hat, die vor zwei Jahren stattfanden, hat eine Debatte über die Strukturen an deutschen Theatern begonnen. Der Düsseldorfer Intendant Wilfried Schulz entschuldigte sich und kündigte an, die Ereignisse an seinem Haus aufzuarbeiten. Weil sich 22 Künstlerinnen und Künstler einer weiteren, vom Schauspielhaus koproduzierten Produktion den „retraumatisierenden“ Verhältnissen nicht weiter aussetzen wollen, erklärten sie, die Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus beenden zu wollen, und forderten von der Politik die Finanzierung einer Freien Bühne für Schwarze und People of Colour – einen sogenannten Safe Space. Auf diese Forderung reagierte der Berliner Dramaturg Bernd Stegemann in einem Artikel in der F.A.Z. vom 9. April, in welchem er Ron Iyamu als „unsicheren jungen, im schauspielerischen Ausdruck blockierten Mann“ bezeichnete. Über 1400 Theaterschaffende forderten Stegemann daraufhin in einem offenen Brief auf, sich bei dem Schauspieler zu entschuldigen. Wie soll es am Theater weitergehen?

          Im und über das Düsseldorfer Schauspielhaus ist in den vergangenen Wochen viel gesprochen worden. Es gab im Theater rassistische und diskriminierende Vorfälle, und der Umgang mit ihnen hat uns gezeigt, was wir falsch gemacht haben und was in Zukunft dringend zu tun ist. Dazu wurde in den letzten Wochen einiges gesagt, in den Medien, in Ensemble-, Betriebs- und Mitarbeiterversammlungen. Gemeinsam mit externen Beraterinnen und Beratern werden wir in den nächsten Wochen die Ereignisse aufklären und daraus Konsequenzen ziehen. Doch es geht um mehr. Die Vorfälle sind auch Kennzeichen einer weiter reichenden Debatte, für die das Düsseldorfer Schauspielhaus geradezu exemplarisch steht. Und sie sind Ausdruck eines Veränderungsprozesses im Haus, der vor geraumer Zeit begonnen hat, mit sehr unterschiedlicher Intensität in verschiedenen Bereichen. Weshalb er einige von uns jetzt mit unerwarteter Wucht trifft, während anderen die Maßnahmen längst nicht weit genug reichen.

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