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Drittes Reich : Filme, die Geschichte machen

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„Speer und er”: Tobias Moretti als Hitler, Sebastian Koch als Speer Bild: dpa/dpaweb/WDR/Stefan Falke

Die Bilderangst ist abgelegt: Breloer und Eichinger wollen Hitler und seine Helfer zeigen, wie wir sie noch nicht gesehen haben. Ihre Filme sind die wichtigsten Geschichtsprojekte seit Jahren. FAZ.NET-Spezial.

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          Es gibt nur eine einzige Tonbandaufnahme, in der man Hitler im normalen Gesprächston sprechen hört. Ein finnischer Radiotechniker hat sie 1942 heimlich aufgenommen, als Hitler den finnischen General Carl Gustav Mannerheim besuchte, und als das Tonband vor ein paar Jahren auftauchte, war es eine Sensation. Tobias Moretti, der im Frühjahr 2005 als Adolf Hitler zu sehen sein wird, hat die Aufnahme immer wieder gehört. Es ist der erste Schritt einer Einübung, der in Kürze dem ganzen Land bevorstehen wird.

          Wir haben bislang Hitler nicht gespielt. Deutsche Filme zeigten ihn - wenn er überhaupt von einem Schauspieler dargestellt wurde - immer nur für Sekundenbruchteile, von hinten oder aus der Ferne und fast immer ohne Text; eine Ausnahme war allein Pabsts „Der letzte Akt“ von 1955 (siehe auch: Der Film „Der letzte Akt“ von 1955). Eine Art Bilderangst war hier wirksam; die Scheu davor, den Mann, der die Phantasie der Deutschen bis zum heutigen Tage mehr beherrscht als jede andere Figur der Geschichte, selbst zum Produkt der künstlerischen Phantasie zu machen.

          Wir werden sie gespielt sehen

          Damit ist es nun vorbei. Die Beschäftigung des Landes mit Hitler tritt fast sechzig Jahre nach Kriegsende in eine neue Phase. Im September 2004 und im Frühjahr 2005 werden zwei spektakuläre Filmproduktionen das Personal des Dritten Reichs inszenieren. Wir werden sie alle gespielt (oder soll man sagen: interpretiert?) sehen - nicht nur Hitler, auch alle anderen, die Himmler, Göring und Goebbels, die Angeklagten im Nürnberger Prozeß, dazu die Statisten der Weltgeschichte, die Kammerdiener und Sekretärinnen und Haustechniker und Telefonisten. Und schließlich Eva Braun.

          Bernd Eichinger, der nach den Erinnerungen von Hitlers Sekretärin Traudl Junge die letzten Tage in der Reichskanzlei verfilmen ließ, und Heinrich Breloer, der das Leben Albert Speers halbdokumentarisch in dem dreiteiligen Fernsehfilm "Speer und er" nacherzählen wird - beides, soviel ist heute schon klar, werden Zäsuren in unserer Beschäftigung mit dem Dritten Reich sein. Bruno Ganz als Hitler (in Eichingers Produktion) und Tobias Moretti als Hitler in Breloers "Speer"-Film werden nicht nur zu Figuren für Filmkritiker. Sie werden in dem historischen Augenblick auf die Leinwand gebracht, da die allerletzten Zeugen gestorben sind, und also den endgültigen Übergang von der Mitwelt in die Nachwelt markieren.

          Den Mythos RAF zerstört

          So ehrgeizig auch scheint das Ziel der Filmemacher. Heinrich Breloer jedenfalls hat am Montag bei seiner Pressekonferenz angekündigt, er werde einen Speer und einen Hitler zeigen, wie man sie noch nicht gesehen habe. Wer Breloers bisherige Filme kennt, wird solche Bekenntnisse sehr ernst nehmen. Mit dem "Todesspiel" etwa, seinem Film über die Entführung und Ermordung von Hanns-Martin Schleyer, hat Breloer in einer einzigen Nacht den Mythos RAF für immer zerstört.

          Seine Präzision, sein Recherche-Hunger, seine Fakten-Unersättlichkeit wendet sich nun mit Albert Speer einer bis heute längst nicht zureichend erfaßten Schlüsselfigur der Epoche zu. Offenbar ist es Breloer gelungen, einige von Speers Kindern zu Äußerungen zu bewegen, offenbar hat er im Bundesarchiv Entdeckungen gemacht, die den Mann und seine Handlungen in ein grelleres und erschreckenderes Licht setzen.

          Ungeschminkt: Heinrich Breloer (Mitte) und seine Hauptdarsteller Tobias Moretti (links) und Sebastian Koch

          Speer wurde gesprochen

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