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Dresdner Residenzschloss : Der Wille zur Pracht

Der Blick ins Paradeschlafzimmer, inklusive des nachgefertigten Prunkbetts, in dem nie jemand geschlafen hat. Der Baldachin ist sechs Meter hoch. Bild: dpa

Mit der Rekonstruktion des Paradeappartements von August dem Starken nimmt das Residenzschloss in Dresden die höchste Hürde auf dem Weg zu seiner Vollendung.

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          Wunder werden auch in Dresden nicht gewirkt. Aber was die Handwerker und Mitarbeiter der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) in den letzten Tagen vor der Eröffnung der Paraderäume im Residenzschloss geleistet haben, kommt einem solchen nahe. Noch am vergangenen Donnerstag wurde man über eine Baustelle geführt, und es gehörte tatsächlich Wunderglaube dazu, sich vorzustellen, dass hier zwei Tage später Besucher empfangen werden könnten. Doch so geschah es, und der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte den richtigen Instinkt, als er nach einer ersten Besichtigung in Begleitung einer Schülergruppe aus dem Plattenbauviertel Dresden-Prohlis ankündigte, für die Bauarbeiter ein Fest auszurichten. Ginge es gerecht zu, müsste es größer werden als der Festakt im Staatsschauspiel, mit dem vorgestern die Wiederherstellung der Paraderäume gefeiert wurde.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Dieser Termin sollte unbedingt gehalten werden, denn er war bewusst auf ein historisches Jubiläum gelegt worden: Vor dreihundert Jahren empfing der sächsische Kurfürst und polnische König August der Starke in Dresden seinen frisch verheirateten Sohn Friedrich August und die ihm angetraute Habsburger-Prinzessin Maria Josepha. Er richtete dem Brautpaar ein vierwöchiges Fest aus, bei dem ein Höhepunkt den anderen jagte, bis es sein großes Finale in den letzten Septembertagen 1719 fand. Der sächsische Fürst wollte damals ganz Europa zeigen, was er an Prunk aufbieten konnte. Und genau in diesem Geist erfolgte am Samstag die Neupräsentation jener Räume, in denen August seiner Schwiegertochter dann erstmals begegnet war.

          Im nachgefertigten Prunkbett des Paradeschlafzimmers hat nie jemand geruht, es war nur repräsentativ. Sein Baldachin hat eine Höhe von sechs Metern.

          Zeitschnitte durch einen Palast

          Für Marion Ackermann, die Generaldirektorin der SKD, sind sie das Herzstück des Dresdner Residenzschlosses, eines musealen Projekts ohne Parallele, weil hier nicht ein einzelner Gesamtzustand rekonstruiert wird, sondern Zeitschnitte durch das Gebäude gelegt werden. So hat August der Starke aus den rückwärtigen Fenstern seiner Paraderäume nie die Renaissance-Sgraffiti des Großen Schlosshofs gesehen, weil die schon entfernt waren, als er geboren wurde. Vor einigen Jahren wurden sie nachgeschaffen, und so hat man heute im Hof das Erscheinungsbild des mittleren sechzehnten Jahrhunderts, während im zweiten Obergeschoss das Jahr 1719 zu besichtigen ist. Diese Synchronie ist die Idee von Dirk Syndram, dem Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer im Rahmen der SKD. Ohne seinen Ehrgeiz wären die Paraderäume nicht wiedererstanden und das Residenzschloss nicht ein wahrer Museumskontinent geworden, auf dem versucht wird, allen seinen früheren Zeiten und Bewohnern gerecht zu werden.

          August der Starke hatte das Schloss speziell für die Hochzeitsfeierlichkeiten umbauen lassen. Praktischerweise war es 1701 teilweise abgebrannt, und die kriegerischen Auseinandersetzungen um die polnische Königswürde, in die August verwickelt wurde, hatten es ihm jahrelang unmöglich gemacht, Mittel für die Renovierung aufzubringen. Doch seit 1717 war seine Herrschaft in Polen wieder gesichert. Prompt bekam er aus Wien für seinen Sohn die langersehnte Heiratszusage, und ebenso prompt befahl er die Umgestaltung des repräsentativsten Teils der Dresdner Residenz. Vorbild war ihm dabei das französische Königsschloss von Versailles, das er dreißig Jahre zuvor bei seiner Kavalierstour kennengelernt hatte. Mangelnde Größe der Räumlichkeiten machte er durch Reichtum der Ausstattung wett, und so entstand zum Ende der Barockzeit eine der prunkvollsten Raumfolgen dieser Epoche: das Dresdner Paradeappartement, einzig gedacht zur Repräsentation, denn abseits sehr rarer feierlicher Gelegenheiten blieb das Ensemble ungenutzt. Schon Augusts Sohn, der ihm auf den sächsischen und den polnischen Thron folgte, fand dann die Räumlichkeiten unmodern, aber ihre Kostbarkeit sorgte für die Erhaltung. Bis sie in der Nacht des 13. Februar 1945 beim Angriff auf Dresden zusammen mit fast dem gesamten Schloss zerstört wurden.

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