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Dresdner Residenzschloss : Der Wille zur Pracht

Das Dresdner Residenzschloss von außen. Das Paradeappartement nimmt die zweite Etage dieses Gebäudeflügels ein.

Das Gebäude befindet sich seit 1986 im Wiederaufbau, und vier Jahre vor dem erhofften Abschluss des Ganzen sind nun die Paraderäume wieder da. Wobei niemand erwarten sollte, dass tatsächlich ein Wunder geschehen ist. Fünf Räume umfasst das Appartement, und in den beiden prächtigsten, dem Audienzgemach und dem Paradeschlafzimmer, ist die Rekonstruktion nahezu termingerecht abgeschlossen worden. Wo dort etwa nur die noch fehlende Bemalung einer Doppeltür drastisch auffällt, ist es im ersten Raum, dem Eckparadesaal, ganz anders, obwohl hier sogar bewusst darauf verzichtet wurde, den Zustand von 1719 streng wiederherzustellen (das damals vorhandene Deckenbild fehlt, und die beiden großen Porzellanöfen kopierte man nach einer Aufrisszeichnung von 1744, obwohl sie 1719 gar nicht vorhanden waren). Das neue Holzparkett im alten Stil ist noch nicht vollständig fertig, doch die entsprechend große Lücke maskierte man mit einem festlich aussehenden roten Teppichboden.

Was noch nicht ganz fertig ist

Schwieriger zu kaschieren sind in den beiden folgenden Vorzimmern einzelne bislang nicht fertiggestellte originalgetreue Wandbehänge aus Samt und noch fehlende Schmuckelemente der erneuerten Holzvertäfelungen. Im kleinen Eckturmgelass des Paradesaals ist dagegen eine der faszinierendsten Entdeckungen zu machen: Beim Blick nach oben sieht man mitten in der sonst frischgeweißten Wand originales Mauerwerk, das noch geschwärzt ist vom Brand der Bombennacht. Die Erfahrungen mit der Sichtbarmachung von Zerstörung, wie sie in Dresden beim Wiederaufbau der Frauenkirche gemacht wurden, sind eingeflossen in die Schlossrekonstruktion, und selbst bei deren bislang perfektionistischstem Teil, eben den Paraderäumen, behält man dieses Prinzip bei. So auch im Audienzgemach, wo die rechtzeitig ausgelagerten gestickten Goldtextilpilaster, die August der Starke sich aus Paris hatte liefern lassen, nun wieder an den Wänden angebracht sind. Durch mehrere frühere Restaurierungsversuche und die Auslagerung im Zweiten Weltkrieg sind sie gedunkelt und haben nur noch wenig vom alten Goldglanz zu bieten. Doch sie legen gerade dadurch Zeugnis ab von ihrer Geschichte. Und wo auf der Welt fände man solche Objekte sonst überhaupt noch?

Dankenswerterweise gehörte zum Festprogramm von 1719 auch eine zeichnerische Dokumentation der Ereignisse. Dadurch besitzen wir genaue Darstellungen des Defilees von Braut und Bräutigam durch das Paradeappartement. Zwischen 1942 und 1944 wurden zudem aus Sorge um etwaige Kriegsschäden farbige Fotoserien von den beiden riesigen allegorischen Deckengemälden des Hofmalers Louis de Silvestre in Audienzgemach und Paradeschlafzimmer angefertigt, auf deren Grundlage man sie jetzt nachgemalt hat. Und man fand in den schier unerschöpflichen Beständen der SKD weitere rechtzeitig ausgelagerte Möbel, Bilder und Textilfragmente, mit denen die Paraderäume ehedem geschmückt waren. So konnte vor etwa zehn Jahren das Wagnis einer Rekonstruktion begonnen werden, die mit einem seitdem in Dresden zum geflügelten Wort gewordenen Begriff „fadengenau“ ausfallen sollte.

Die Textilien sind der Höhepunkt

Gemeint ist damit eine auch handwerklich getreue Wiederherstellung vor allem der prachtvollen Textilien, die den Gesamteindruck des Paradeappartements prägten, weil sie als Wandschmuck der Räume und zur Verzierung von Bett und Thron darin dienten. Letzterer hatte sich übrigens erhalten, weil man ihn der Wettiner-Familie nach deren Abdankung im Rahmen der „Fürstenabfindung“ von 1924 ausgehändigt hatte. 1999 kauften ihn die SKD für das im Wiederaufbau befindliche Schloss zurück. Schon ein paar Jahre früher waren im Kunsthandel zwei Spiegelaufsätze aus dem Ersten Vorzimmer aufgetaucht und ebenfalls erworben worden, womit die erhaltenen Rahmenreste ergänzt werden konnten. So sammelte man also schon vor der Rekonstruktion der Paraderäume authentische Einzelteile zusammen, und als es dann ernst wurde, musste man in diesem Fall nur noch einen Handwerksbetrieb finden, der noch in der Lage war, Spiegel auf Quecksilberbasis herzustellen, wie sie zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts in Mode waren.

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