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Dreister Dresscode : Geldwäsche

  • -Aktualisiert am

Eine Schweizer Zeitung stieß zufällig auf die arg detaillierte Kleiderordnung der UBS. Französische Medien nahmen das gerne auf und amüsierten sich über die spießigen Eidgenossen.

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          So sind sie halt, die Franzosen. Und ihre Medien. „Meine Bankerin trägt einen fleischfarbenen Slip“, frotzelte eine Qualitätszeitung. Weder der „Figaro“ noch „Le Monde“ haben sich das Thema entgehen lassen. Es war der Aufmacher in der Presseschau des staatlichen Rundfunks. „Humanité“, das Zentralorgan der Kommunisten, protestierte gegen die „soziale Kontrolle der Körper“ durch den auferstandenen Klassenfeind. So scharfe Schlagzeilen hat kaum je eine Schweizer Zeitung in Paris ausgelöst.

          Ausgerechnet die in Genf erscheinende, den dortigen Privatbankiers nahestehende Zeitung „Le Temps“ veröffentlichte Auszüge aus dem Dresscode der UBS. Was der Pariser Presse als sensationelle Enthüllung erschien, war ein alles andere als geheimes Dokument, das der Journalist aus dem Internet geholt hatte. Auf vierundvierzig Seiten erstellt es sehr genaue und sehr strikte Kleidervorschriften: Knielang muss der Rock sein, weiß die Bluse. Die Unterwäsche darf sich nicht abzeichnen. Bunte Slips sind deshalb verboten – und die Socken der Herren stets schwarz und so lang, dass der Blick auf das Bein verwehrt bleibt.

          Ein weiteres PR-Desaster für die UBS

          Auch die regelmäßige Verwendung von Hautcreme und Deodorant wird dem starken Geschlecht vorgeschrieben. Haare in den Nasenlöchern sind zu entfernen. Überhaupt haben Körperhaare im Erscheinungsbild nichts zu suchen, allenfalls ein kurz geschnittener Bart wird toleriert. Für beide Geschlechter empfiehlt sich das tägliche Wechseln der Schuhe. Und nicht vergessen: Unter der Woche keinen Knoblauch essen! In Frankreich, schreiben die Zeitungen unisono, würde ein solcher Katalog eine Revolution auslösen. Der Arbeitgeber müsste die Kosten für die Uniformen übernehmen. Tatsächlich bezahle, so meldet ein Blatt, die UBS ihren gegängelten Angestellten eine Kleiderpauschale. Deren Höhe fällt unter das Bankgeheimnis.

          Das macht den Skandal für die frivolen Franzosen noch schlimmer. Bislang blieb die Polemik auf ihr Land beschränkt. Immerhin scheinen die Verantwortlichen der Bank inzwischen gemerkt zu haben, dass sie nach ihrer gestoppten Kampagne mit dem „Antisemiten“ Le Corbusier ein weiteres PR-Desaster angerichtet haben. Über die UBS-Homepage findet man nur noch einen umfassenden Knigge für die „lieben Allround-Praktikanten“. Ihnen wird wortreich erklärt und mit Skizzen vorgeführt, wie man eine Krawatte bindet. Drei Versionen werden angeboten: der „Four-in-Hand“, der „doppelte Windsor“ und der „Prattknoten“. Welcher es sein soll, dürfen sie selbst entscheiden.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

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