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Dossier über Julia Kristeva : Die Behörde war großzügig

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Heiraten durfte sie dort nicht, sie tat es trotzdem: Julia Kristeva 1977 in Paris. Bild: akg-images/Marion Kalter

Julia Kristeva, eine der bekanntesten Intellektuellen unserer Zeit, soll für Bulgarien ihre Kollegen bespitzelt haben. Was steckt hinter dem „Sabina“-Dossier?

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          Julia Kristeva ist weltberühmt, im Rahmen des für Intellektuelle Möglichen. Sie ist vom „Time Magazine“ zu einer der hundert wichtigsten Denkerinnen und Denker der Menschheit ernannt worden, sie ist in Frankreich mit dem Ordre National du Mérite und in Norwegen mit dem Holberg-Preis ausgezeichnet worden, der die geisteswissenschaftliche Blindstelle des Nobelpreises zu schließen sucht.

          Julia Kristeva stammt aus Bulgarien, lebt aber seit Mitte der sechziger Jahre in Frankreich. In ihren dreißig Publikationen zu unterschiedlichen Themen hat das Land ihrer Herkunft keine wesentliche Rolle gespielt. Auch nicht in der bisherigen Rezeption. Das dürfte sich jetzt ändern. Denn vor kurzem hat die „Kommission für die Offenlegung der Dokumente und der Zugehörigkeit bulgarischer Bürger zur Staatssicherheit und den Geheimdiensten der Bulgarischen Nationalen Armee“, von allen nur „Kommission für die Dossiers“ genannt, das Dossier der Autorin veröffentlicht. Anlass war eine Einladung, Frau Kristeva möge dem Redaktionskomitee einer Literaturzeitschrift beitreten. Gemäß dem bulgarischen Recht müssen bestimmte Berufsgruppen, darunter auch Journalisten, verpflichtend auf ihre ehemalige Zugehörigkeit oder Mitarbeit überprüft werden. Das nun im Internet einzusehende Dossier führt Frau Kristeva als informelle Mitarbeiterin der Ersten Hauptverwaltung der ehemaligen Staatssicherheit auf – zuständig für Spionage im Ausland, mit dem Decknamen Sabina.

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