https://www.faz.net/-gqz-37gl

Dossier : Rezensionen neuer Sachbücher

  • Aktualisiert am

Auf dem Laufenden bleiben Bild: Henthorn/STOCK4B

Aus der Literaturbeilage der F.A.Z.: Rezensionen neuer Sachbücher von Peter Sloterdijk über Norbert Hoerster bis zu Wolfgang Rihm.

          In „Luftbeben", Peter Sloterdijks jüngstem Buch, geht es um das Wesen des Terrors. Der Terror sei ein „Merkmal des zwanzigsten Jahrhunderts“. Er ziele nicht mehr auf den Körper eines Menschen, sondern auf dessen Lebensbedingungen.

          Noam Chomsky bezichtigt die USA der Heuchelei. Die Vereinigten Staaten hätten sich selber zahlreicher terroristischer Akte schuldig gemacht. Am 11. September sei „der Spieß einmal herum gedreht worden“. Chomsky hält die Vergeltungshaltung der Amerikaner für moralisch bedenklich. Gegen Terrorismus müsse gesetzlich vorgegangen werden.

          Wolfgang Sofsky untersucht das Phänomen Terror vom soziologischen Standpunkt aus. Er versucht, verschiedene Formen der Gewalt aus ihrer historischen Entwicklung heraus zu deuten. Mit der „Erfindung Amerikas“ liefert Georg Kamphausen eine Studie über die Sicht europäischer Intellektueller in den drei bis vier Jahrzehnten um 1900. Vor hundert Jahren habe man mit der Europäisierung Amerikas gerechnet, nicht mit der Amerikanisierung der Welt.

          Gegen die Überheblichkeit der Wissensgesellschaft hat der Frankfurter Mediävist Johannes Fried ein zorniges, aber auch nachdenkliches Votum eingelegt. Von wegen düsteres Mittelalter, unschätzbar seien dessen Verdienste um das Wissen.

          Der Biograf ist schlichtweg ein Angsthase

          Jan Vermeer war einer der größten Maler des 17. Jahrhunderts, außerhalb seiner Kunst ist jedoch wenig über ihn bekannt. Der Engländer Anthony Bailey hat eine Biografie geschrieben und sich dabei wie ein Angsthase angestellt. Allzu sehr bleibt er an wissenschaftlichen Verfahren kleben. Richard Westen erzählt in dem Buch "Das Haus im 20. Jahrhundert" (400 Abbildungen auf 272 Seiten) von Häusern aus den vergangenen 150 Jahren, den Klassikern von William Morris und Philip Webbs bis zu den Bauten in der Postmoderne.

          Norbert Hoerster ist als Rechts- und Sozialphilosoph ebenso bekannt wie umstritten. In seiner "Ethik des Embryonenschutzes" schreibt er, dass Ungeborene zwar einen "gewissen Lebensschutz" verdienten, dessen Intensität sich nach ihrem jeweiligen Entwicklungsstand richte - ein Recht auf Leben im vollen Sinne stehe ihnen hingegen nicht zu.

          Männer und Frauen - von Natur aus anders?

          Welche sexuellen Gewohnheiten hatte der Bauer im 17. Jahrhundert? Der Wiener Sozial- und Wirtschaftshistorikers Franz X. Eder schildert in seinem Buch „Kultur der Begierde“ die Geschichte der Sexualität im deutschsprachigen Raum vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Dabei kommen auch Themen wie die Geschlechterdebatte im 18. und 19. Jahrhundert und Homosexualität zur Sprache.

          In der Diskussion um die Geschlechter heißt es immer mal wieder, dass es zwischen Frau und Mann von Natur aus keinen Unterschied gäbe. Dieser These wird ebenso oft gegenübergestellt, dass die Geschlechterunterschiede im Verlauf der Evolution entstanden seien. Doris Bischof-Köhler wägt Argumente beider Seiten ab und stellt sich auf die Seite der biologisch argumentierenden Fraktion.

          Dem Komponisten Wolfgang Rihm scheint das Schreiben ebenso essentielles Bedürfnis zu sein wie die Musik. In „Offene Enden“ lässt er den Leser an seinen Überlegungen über die zeitgenössische Musik teil haben.

          Weitere Themen

          „Ich hatte viel Bekümmernis“ Video-Seite öffnen

          Gaechinger Cantorey : „Ich hatte viel Bekümmernis“

          Die Gaechinger Cantorey führt bei ihrer Bach-Pilgerreise in der Stadtkirche zu Weimar mit dem Schlusschor die Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ BWV 21 von Johann Sebastian Bach auf.

          Das Ende der Metapher

          Amanda Palmers Tour : Das Ende der Metapher

          Amanda Palmer, einst Sängerin der Dresden Dolls, tourt mit einem therapeutischen Sitzkonzert. Es geht um tote Babys und um Mitgefühl. Und alles hat mit Trump zu tun.

          Topmeldungen

          Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei der Stimmabgabe

          Wahl in Israel : Netanjahus Zukunft ungewiss

          Ausweg große Koalition? Zum zweiten Mal binnen fünf Monaten haben die Israelis ein neues Parlament gewählt. Ergebnis ist ein Nahezu-Patt zwischen Benjamin Netanjahu und seinem Herausforderer.
          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.
          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.