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Doping : Wiener Blut

Von einer „Bluatsuppen“ redend, meint der Wiener den Umstand, es sei reichlich viel Blut vergossen worden. Die jüngste Blutdoping-Affäre lässt die Wiener kalt. Doch einer hat alles vorher gewusst: Falco.

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          Von einer „Bluatsuppen“ redend, meint der Wiener den Umstand, es sei reichlich viel Blut vergossen worden. Von Blutdoping redend, meint der Wiener, das ginge keinesfalls ihn, sondern nur die Piefkes etwas an. So jedenfalls waren die ersten Reaktionen auf einen Bericht der ARD, dem zufolge mindestens dreißig Spitzenathleten aus den Bereichen Radsport und - mehrheitlich - Biathlon und Skilanglauf sich beim Wiener Unternehmen Human Plasma einer Blutwäsche unterzogen haben sollen.

          Noch weiß man nichts Genaues, die Beschuldigten dementieren, die ARD sagt nichts, weil sie ihre Informanten vor der Blutdoping-Mafia schützen will. Zum Glück für die Österreicher war fast kein Einheimischer dabei, überwiegend Deutsche eben und ein Däne, ein Holländer, ein Russe. Der Einzige, der ein bißchen einheimisch wäre, der ehemalige Telekom- und Gerolsteiner-Radprofi Georg Totschnig, ist zwar ein Sportheld, weil er als erster Nachkriegsösterreicher 2005 eine Etappe der Tour de France gewonnen hat; aber er ist eben auch im Zweifelsfall Tiroler, und das ist von Wien aus betrachtet sehr weit weg. Außerdem hat der „Totsch“ sofort alles abgestritten („Ich war nie dort“).

          Der Visionär Falco

          Blut in Wien gleich Wiener Blut? Wir reden doch hier von Eigenblutdoping, und wie soll einer auch Wiener Blut in seinem Körper haben, als geborener Innsbrucker geht das gar nicht. Dass er mit siebzehn im besten Falco-Alter war, als jener 1988 sein Album „Wiener Blut“ veröffentlichte, macht ihn noch nicht verdächtig. Eher schon schockiert aus unserer heutigen, an Doping allzu sehr gewöhnten Sicht der visionäre Unterton, den Johann Hölzel in den Text seines Liedes quasi eintröpfeln hat lassen, das mit der Zeile „Heast, wos hat der Bua, wos braucht er für a Medizin“ anhebt.

          Klar, Falco wollte zunächst ganz bewusst a den Gassenhauer von Johann Strauß, die Operette „Wiener Blut“, anknüpfen. Dort sangen sie noch zuversichtlich „Eig'ner Saft, / Voller Kraft, / Du erhebst, / Du belebst / Unsern'n Mut! / Wiener Blut!“ - und meinten damit nebenbei ihre wechselseitigen Pantscherl entschuldigen zu können. Nach dem Motto: Was kann ich dafür, wenn mich der Rhythmus überkommt? Aber schon Falco schwante, dass es damit vorbei war, als er weiter dichtete: „Wiener Blut in diesem Saft die Kraft die Wiener Glut (...) wir haben die Medizin der Dekadenz haben wir an Preis verliehen / dabei san wir moralisch überblieben“. Wie immer die Wiener Blutwäschenaffäre ausgeht, eine Bluatsuppen wird überbleiben.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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