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CEO Donald Trump : Der Dealmaker

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Donald Trump versteht sich als Geschäftsführer der Vereinigten Staaten von Amerika. Doch es gibt viele Mängel und nur wenige Errungenschaften. Bild: AP

Donald Trump möchte sich gerne als Geschäftsführer der Vereinigten Staaten von Amerika verstanden wissen. Doch auch als Polit-Unternehmer weiß der Präsident nicht zu punkten.

          Wäre Amerika eine Firma, würden Sie diesen Geschäftsführer behalten?“, fragt das Wirtschaftsmagazin „Bloomberg Businessweek“. Die Titelgeschichte handelt von Donald Trump, wurde geschrieben, bevor der amerikanische Präsident in Europa aufschlug und in der ihm eigenen Weise EU-Spitzenpolitiker und Nato-Verbündete vor den Kopf stieß, und betrachtet vor allem die Debatte um die Entlassung des FBI-Direktors James Comey – von einer anderen Warte als üblich aus. Dass ein Land zu führen kaum dasselbe sei wie einen Konzern zu leiten, räumt der Autor gleich zu Beginn ein. In der Politik seien Ziele schwerer zu erreichen als in der Geschäftswelt, davon könne auch der Besitzer der „Bloomberg Businessweek“, der Milliardär und vormalige New Yorker Oberbürgermeister Michael Bloomberg, ein Lied singen.

          Bloomberg hatte sich im Wahlkampf hinter Hillary Clinton gestellt. Aber Donald Trump als Polit-Unternehmer zu beurteilen sei mit Blick auf seine Deal-Versprechen im Wahlkampf angezeigt, schreibt der „Bloomberg“-Chefredakteur John Micklethwait: „Unter allen Maßstäben, die Trump gern an sich angelegt sähe, ist seine Beurteilung als Geschäftsführer vielleicht die fairste.“ Diese Betrachtungsweise sei aber womöglich auch die vernichtendste. Vernichtend fällt das Urteil in allen Punkten aus: Die Entlassung Comeys sei nur der jüngste einer Reihe von Verstößen und Fehlern, deretwegen ein normaler Geschäftsführer seinen Job längst los wäre. Die Liste der Fehler: Trump lädt einen Konkurrenten (Russland) in die Vorstandsetage ein und gibt heikle Informationen preis. Er besetzt Schlüsselpositionen mit unerfahrenen Familienmitgliedern.

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          Es vergehen achtzehn Tage, bis Michael Flynn als Sicherheitsberater abgelöst ist, obwohl klar ist, dass er den Vizepräsidenten Mike Pence belogen hat. Trotz einer republikanischen Mehrheit in beiden Häusern des Parlaments bringt Trump seine Gesundheitsreform nicht durch, die Steuerreform und der Plan zur Verbesserung der Infrastruktur kommen nicht voran. Trump hat kein starkes Team aufgebaut, Vertrauen in den eigenen Reihen und bei Partnern verspielt und treibt „Kunden und Zulieferer“, sprich: seine Verbündeten, der „Konkurrenz“ in die Arme, sprich: China. Die Kommunikation des Präsidenten ist ein einziges Chaos, nie findet er die richtigen Worte, sondern stößt andere vor den Kopf. Positiv sei allein Trumps Entschlossenheit beim Raketenangriff in Syrien und die Ernennung eines kompetenten Bundesrichters. Insgesamt aber scheitere Trump als Amerikas CEO „kläglich“, vor allem, weil er es mit der Wahrheit nicht genau nehme. Was müsste ein Aufsichtsrat zu einem solchen Vorstandsgeschäftsführer sagen? Das, was Trump als Protagonist der Fernsehshow „The Apprentice“ so gerne von sich gab: „You’re fired.“

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