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Donald Trump : Er will und kann nicht anders

Donald Trump 2015 bei der Reality-Serie „The Celebrity Apprentice“ Bild: AP

Kann überhaupt jemand so roh, unbeherrscht, voreingenommen, egoman und dumm sein wie Donald Trump? Ja. Der Wahlkampf wird in einer Schlammschlacht münden.

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          In dem Aberwitz, den der Wahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft abgibt, schien zu Donald Trump alles gesagt – von anderen und von ihm selbst. Es wird ja über nichts anderes mehr geredet als über ihn. Ob er ein toller Geschäftsmann ist oder ein Pleitier, ob er ein cleverer Steuersparer ist oder ein Steuerbetrüger, ob er den Berserker nur mimt oder wirklich einer ist. Woche um Woche produziert er Skandale und beleidigt alle und jeden: Farbige, Hispanics, Muslime, Europäer, die Demokraten, das Establishment der Republikaner, Journalisten, namentlich in Serie seine Konkurrentin Hillary Clinton, gerne aber auch Leute aus den vermeintlich eigenen Reihen wie John McCain.

          Für den Fall, dass Trump bei seinen Tiraden jemandem noch nicht auf die Füße getreten haben sollte, sorgt das Magazin „Time“ mit einem „Donald Trump Insult Generator“ für Abhilfe: Da muss man nur einen Begriff oder einen Namen eingeben, und schon setzt es ein Originalzitat des Kandidaten. Das passt immer! Wie oft schien es, Trump habe sich um Kopf und Kragen geredet? Doch nicht einmal, als er sich über die Eltern eines gefallenen, muslimischen Kriegsveteranen mokierte, brach die Unterstützung für ihn ein.

          Das geschieht erst jetzt, da bekannt wird, wie Trump sich bei verschiedenen Gelegenheiten über Frauen geäußert hat: Wenn man ein Star ist, kann man ihnen problemlos in den Schritt greifen, im richtigen Alter sollten sie für Sex & Circumstances allerdings sein – das heißt: nicht älter als Mitte dreißig. Mit derlei Einlassungen hat Trump den Rubikon anscheinend überschritten. Jetzt hilft ihm keine Entschuldigung und auch nicht der Verweis auf das Verhalten gewisser amerikanischer Präsidenten. Das erstaunt insofern, als Trumps Frauenbild längst aufschien, etwa als er über die Fernsehmoderatorin Megyn Kelly herzog.

          Warum soll Trump erst jetzt seine Wahlchancen vernichtet haben? Das könnte damit zu tun haben, dass er auf Leute zählt, die seine ostentativ zur Schau gestellte Verachtung teilen, weil sie immer die „anderen“ trifft – die mit anderer Herkunft, die mit anderer Hautfarbe, die da oben, die von links oder die von anderswo. Jetzt geht es um sexuelle Übergriffigkeit und um die amerikanischen Frauen – auf deren Stimmen Trump angewiesen ist. Da hört der Spaß am Verächtlichmachen auf, und es ergibt sich für die Republikaner die Chance, auf die sie gewartet haben, um ihren eigenen Kandidaten aus dem Rennen zu nehmen. Aber dachte eigentlich jemand, so roh, unbeherrscht, voreingenommen, egoman und dumm, wie er sich gibt, könne dieser Donald Trump doch gar nicht sein? Er ist es. Er verstellt sich nicht und spielt niemandem etwas vor. Er will und kann nicht anders. Keine Chance, dass er seine Kandidatur zurückziehe, sagt Trump und kündigt eine Schlammschlacht an. Als hätte er je etwas anderes vorgehabt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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