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Donald Duck zum Achtzigsten : Weltstar aus dem Club der Müßiggänger

Warum wurde Donald Duck der Weltstar und nicht Peter Pig? Man darf zufällige Umstände nicht unterschätzen. Neben den Drei kleinen Schweinchen, den Helden einer der berühmtesten „Silly Symphonies“, war vielleicht für ein weiteres Schwein kein Platz. Und Clarence Nash demonstrierte, so kurz sein Text auch war, schon das Potential einer Kunst der akustischen Charakterisierung durch konzentrierte Verformung.

Donald Ducks Faulheit ist sprichwörtlich. Insofern ist er selbst zur Fabelgestalt geworden. Auch wer „The Wise Little Hen“ nicht kennt, hat bei der Lektüre von Duck-Comics den Donald des ersten Films vor Augen, obwohl der Schnabel kürzer und der Rumpf runder geworden ist. Man weiß, dass Donald  sich allen Arbeitsaufträgen zu entziehen versucht, wenngleicher in seiner städtischen Umgebung kaum Gelegenheit hat, Ernst zu machen mit dem untätigen Leben.

Land gegen Meer

Im Unterschied zur Fabelfigur des ersten Films ist der Donald Duck der Comics ein Stadtbewohner. Das gilt für die von Al Taliaferro gezeichneten Comicstrips, die in Zeitungen gedruckt wurden und einen Donald zeigen, zu dessen hervorstechenden Merkmalen Geduld und Findigkeit des Zeitungslesers gehören; das gilt für die Comichefte von Carl Barks, obwohl Barks auf einer Farm aufgewachsen war und den Beruf des Comiczeichners unter anderem deshalb wählte, weil er dieser Arbeit in einem Farmhaus nachgehen konnte; und es gilt auch für den dritten Donald, die bislang letzte Variation und Bereicherung des Grundmusters im Schaffen von italienischen Comiczeichnern wie Romano Scarpa und Giorgio Cavazzano. Im Layout der Taschenbuchseiten von „Topolino“, der italienischen „Micky Maus“, spiegelt sich die Gedrängtheit der italienischen Stadtrepubliken, die seit dem Mittelalter eine Theatralik des Konfliktaustrags begünstigte.

Verblüffend an „The Wise Little Hen“ ist, dass wir hier statt dem Gegensatz von Stadt und Land  einem anderen weltsozialgeschichtlichen Spannungsverhältnis begegnen, dem Antagonismus von Land und Meer. Der Donald Duck des Urfilms ist wirklich noch ein Wasservogel. Bevor wir ihn sehen, lesen wir seinen Namen auf einem Rettungsring. Nachdem wir ihn kennengelernt haben, können wir uns allerdings vorstellen, dass er selbst den Ring benötigt.

Man muss es für denkbar halten, dass er nicht schwimmen kann – darin deutet sich das Singuläre dieses Enterichs an. Im Film von 1934 wohnt er auf einem Hausboot. Damit hat man die Erklärung für den Matrosenanzug, Donalds auffälligstes Attribut, das später nicht mehr zur Sprache oder genauer gesagt ins Bild kommt. Er begrüßt die Henne, in dem er nach allen Regeln der Hüpfkunst einen Hornpipe tanzt. Nur ausnahmsweise ist in den Comics der maritime Schicksalshintergrund des komischen Vogels Anlass für eine Pointe. Donald Duck trägt den Matrosenanzug so selbstverständlich wie unsereiner den Namen des längst untergegangenen Berufs seiner Vorfahren. Dass Donald eine Geschichte hat, die nicht transparent ist wie die Eigenschaften eines Fabelakteurs, trägt zu seiner Unverwechselbarkeit bei. Disneys Fabel vom schlauen kleinen Huhn ist mit mythischem Beiwerk ausgeschmückt.

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