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Dominique Strauss-Kahn : Monolog an das Geschlecht

  • -Aktualisiert am

Wer den Schaden hat... Dominique Strauss-Kahn wird zur Zeit in Frankreich nicht eben geschont. Bild: AFP

Sein Buch heißt „Das Arschloch“ und ist voll bitterböser Häme: Der Franzose Marc-Edouard Nabe lässt in seinem Roman über DSK kein Tabu ungebrochen - und verlegt sein Buch deshalb selbst.

          Jetzt ist er da, der erste französische Roman über die Vergewaltigungsaffäre im New Yorker Hotel Sofitel, die einen der mächtigsten Männer der Welt ins Gefängnis brachte. In Amerika bemächtigen sich die höchstbezahlten Drehbuchautoren des Stoffs aus Sex, Geld und Macht. In Paris ist seine Bearbeitung im Selbstverlag eines Schriftstellers mit einer Startauflage von zweitausend Exemplaren erschienen. Titel: „Das Arschloch“.

          Der Name des Autors ist zumindest im Literaturbetrieb bestens bekannt: Marc-Edouard Nabe. Sein Roman über einen Selbstmörder erschien einst bei Gallimard. Bei den Editions du Rocher veröffentlichte Nabe mehr als ein Dutzend Werke. Dann wurde der Verlag verkauft und seine monatliche Pauschale gekündigt. Er klagte und gewann – auch alle Rechte bekam er zurück. Und verlegt seine alten und neuen Bücher seither selbst. Als Michel Houellebecq im vergangenen Jahr den Goncourt bekam, war Nabe sein schärfster Rivale. Den Prix Renaudot verpasste er um eine Stimme – Nobelpreisträger Jean-Marie Le Clézio hatte sich für Nabe stark gemacht. Die Auflagen waren sensationell. „Ich bin der erste Schriftsteller, der nicht mehr auf die Medien angewiesen ist“, sagt er. Die Mund- und Netzpropaganda bricht sogar das Gesetz des Schweigens. Hier ein Interview, da ein Artikel.

          Der Schriftsteller hält sich an die autorisierte Biographie und sagt: „DSK bin ich.“ Wie Jonathan Littell in den nationalsozialistischen Verbrecher versetzt er sich in die Haut und das Hirn seiner Figur. In der Gefängniszelle richtet DSK einen Monolog im Stile Hamlets und de Sades an sein Geschlecht. Nabe lässt die Neurosen blühen. Und schreckt vor keinem noch so geschmacklosen Tabubruch zurück. Allein zieht sich Anne Sinclair zu Hause jeden Abend Auschwitz-Soaps rein und weint bitterlich. Sie wollte DSK zum ersten jüdischen Präsidenten Frankreichs machen. Kein Verlag hätte diesen Roman, der vielen ein Motiv für erfolgversprechende Klagen bietet, unzensiert veröffentlichen können. Der Literaturbetrieb funktioniert wie die französischen Eliten, deren Reaktionen die vermeintliche Vergewaltigung in New York zu einem gesellschaftlichen Skandal machten. Dass Nabes geniale literarische Verarbeitung im Selbstverlag erscheint, ist auch kongenial. Die Bestsellerlisten werden den Roman nicht erfassen. Sein Höhenflug hat gleichwohl begonnen. Die zweite Auflage, sagt Nabe, hat er in Deutschland drucken müssen.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

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