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Dominique Strauss-Kahn : Fehlstart

Neben ihm wirkt Nicolas Sarkozy wie ein neureicher Emporkömmling: Dominique Strauss-Kahn hat nach der Porsche-Affäre einen Sex-Skandal am Bein. Sein Kampf ums Präsidentenamt ist gestoppt.

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          Noch hatte Dominique Strauss-Kahn seine Kandidatur für das Amt des französischen Staatspräsidenten nicht offiziell bekannt gegeben. Aber seinen Wahlkampf vor zehn Tagen mit einem veritablen Fehlstart begonnen: Er wurde in einem Porsche fotografiert - von einem Mitarbeiter der staatlichen Nachrichtenagentur AFP. Das Auto ist der Dienstwagen seines Kommunikationsberaters Ramzi Khiroun, der für den Medienmogul Lagardère arbeitet, von dem Sarkozy sagt, er sei sein „Bruder“. Das private Mandat durfte er behalten.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Die Porsche-Affäre hat eine Flut von Artikeln über den sagenhaften Reichtum von Dominique Strauss-Kahn und seiner Frau nach sich gezogen. Anne Sinclair ist die Tochter einer Kunsthändlerin und war Tagesschausprecherin von Tf1. Die Wohnungen an der Place des Vosges in Paris und im sechzehnten Arrondissement wurden gerade in Titelgeschichten seriöser Magazine beschrieben. Neben Strauss-Kahn und Anne Sinclair wirkt Sarkozy mit seinen Ray-Bans, der Rolex (die er abgelegt hat) und seiner Wohnung in der schicken Banlieue wie ein neureicher Emporkömmling.

          Gnadenlose Inszenierung des Reichtums

          Gezielt instrumentalisierte das Lager des Bling-Bling-Präsidenten die Porsche-Affäre gegen die „Brumm-Brumm-Linke“. Der Autohersteller schaltete schnell und witzige Anzeigen: „Porsche macht keine Politik“, nur schnelle Autos. Noch am Samstag kündigte DSK an, dass er gegen „France Soir“ klagen werden: Er kaufe seine Anzüge nicht beim Schneider „Georges de Paris“ in Washington, der dafür bis 35 000 Dollar verlange. Die Schlammschlacht war bereits in vollem Gange.

          Die gnadenlose Inszenierung des Reichtums eines Sozialisten schien mit ihrer unausgesprochenen Stoßrichtung durchaus den Eindruck zu bestätigen, dass ein Schwarzer in Amerika leichter Präsident werden kann als ein Jude in Frankreich. Nicht sein Geld - aber seine sexuellen Skandale wurden in Paris stets als Privatangelegenheit verharmlost. Vor seiner Entsendung nach Washington hatte ein Journalist in seinem Blog vor dieser Gefahr gewarnt. Der französische Komiker, der vor dem Live-Interview mit DSK im Radio die Sekretärinnen und Journalistinnen zur Flucht aufforderte, wurde entlassen. In Paris kann kein Zimmermädchen die umgehende und spektakuläre Verhaftung eines Machthabers bewirken. Ging die Schlammschlacht im Hotelzimmer weiter? Die Indizien sprechen gegen DSK, seine Anwälte werden auf unschuldig plädieren.

          Die Verhaftung wegen versuchter Vergewaltigung hat seinen Wahlkampf beendet, bevor er ihn führen konnte.

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