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Rechte Frauen : Der neue Nazi-Sex-Boom

Jetzt muss man die neuen Rechten nicht körperlos, prüde betrachten oder beschreiben. Doch wenn man ihnen zusieht, muss man mehr sehen als kurze Röcke oder enge Hosenanzüge oder eine Vergangenheit als Prostituierte, die eine AfD-Frau aus Nordrhein-Westfalen hat. Das enthüllen – und enthüllen ist bildlich gemeint, denn gemeint sind Swingerclubs, sind Bordelle – Investigativjournalisten auf der Plattform „Correctiv“. Zitieren kann man den „Sexskandal“-Text, der das Privat- beziehungsweise Nebenberufsleben der AfD-Frau ausführt, nicht mehr, er ist verboten. Die Enthüllte hatte geklagt, hatte gewonnen.

Eine dritte in dieser Partei, „das Engelsgesicht der AfD“, wie seltsamerweise Alice Weidel ab und an genannt wird, ist selber schuld, dass ihre Sexualität immer wieder erwähnt wird, so ungefähr heißt es. Schon im Vorspann steht dann: „jung, lesbisch, AfD“ („Focus“) oder „jung, gebildet, homosexuell“ („Tagesspiegel“) oder „lesbisch, wirtschaftsliberal, beruflich international aufgestellt“ („taz“) oder „eine Frau, die offen lesbisch lebt“ („Zeit“). Und das sagt schon alles, schreit schrill die Skandalisierung der Sexualität von Alice Weidel heraus.

Es gibt zwar auch schwule AfD-Männer, doch die lässt man öffentlich in Ruhe im Jetzt. Das war mal anders, zu schwulen Nazis war man mal anders: in den achtziger Jahren, als Zeitungen, Zeitschriften die Homosexualität eines superharten, supergefährlichen Neonazis entdeckten. Er hieß Michael Kühnen, verurteilter Volksverhetzer, Verbrecher, Rassist. „Neonazi Kühnen leider kein Aids?“, stand in der „taz“ tatsächlich über einem Text im Jahr 1987. Und 1989 ging die erste Frage an Kühnen in „Tempo“ dann so: „Du trägst eine schwarze Lederjacke, eine schwarze Armeehose und ein schwarzes Hemd. Ist deine Unterhose auch schwarz?“

Engelsgesicht und teuflische Verführung

Heute ist die Homosexualität der rechten Männer und Nazis selten Skandal. Es ist die gute Nachricht, die zum Rechte-und-Sex-Boom gehört, weil die Gesellschaft zum Teil und zum Glück schwul nicht mehr als das Andere ansieht.

Andererseits ist das verführerische, böse, düstere, teuflische Andere noch immer die Frau – egal ob hetero, ob homo – , wenn sie rechts ist. Oder gleich echter Nazi, so wie Beate Zschäpe, das „Killer-Luder“ („Bild“) mit dem Blick, der „ein bisschen kokett, ein bisschen gefährlich“ ist („Süddeutsche Zeitung“). Warum muss die Sexualität der rechten Frauen immer wieder ausgemalt werden? Aus demselben Grund, der die Deutschen der Nachkriegsjahre antrieb, als sie frische Naziverbrechen verdrängten.

Man versichert sich selbst, ganz weit weg zu sein von der Welt einer Ex-Sexarbeiterin, die AfD-Mitglied ist. Ganz anders zu sein als eine Dominahafte, die AfD war. Man erklärt sich sein Staunen über eine Identitäre durch ihr angeblich hypnotisierendes Äußeres. Man kann nichts dafür, so was ein wenig sexy zu finden, ein wenig scharf. Man wird schließlich betrogen, verführt. Doch die Darstellung einer Verführung – und das ist die unsexy Wahrheit – ist unfreiwilliges Eingeständnis einer Mittäterschaft. Denn wenn man sagt, man wurde verführt, sagt man, dass man getan hat, wozu man verführt worden ist.

Und warum jetzt? Weshalb nimmt man sich wieder, im Jahr 2017, das Alibi, das sich die Deutsche nach dem Krieg nahmen? Weshalb wird wieder dieser Sextrick aufgeführt, der die Schuld verschleiert, verdeckt? Es ist nicht so, dass das der Nationalsozialismus seit heute morgen kaputt ist, keiner kommt jetzt aus dem Krieg, keiner hat gestern Hitler gegrüßt. Es ist aber so, dass das der Nationalsozialismus, Hitler, der Zweite Weltkrieg, zum Leben der Eltern und Großeltern gehören und so immer noch, 70 Jahre später, auch zum eigenen Leben. Das ist schwer zu ertragen ist, es bedroht das eigene Selbst. Und dann kommen die neuen Rechten, die einen jetzt auch noch zwingen, sich diese Geschichte anzuschauen. Man schaut aber weg und verdeckt, verschleiert alles mit Sexuellem. So ist man sicher. Doch sicher ist: Wenn man nur Sex sieht, sieht man zu wenig.

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