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Dokumentationszentrum Bergen-Belsen : Beton schwebt über den Gräbern

  • -Aktualisiert am

Das Dokumentationszentrum will diese Geschichte sichtbar machen, klar gegliedert in Bauabschnitte: Mal sind die Räume hoch, mal die Decken niedrig. Nichts wirkt überfrachtet. Erinnerungsstücke sind nicht nur an den Wänden, sondern auch in gläsernen Vitrinen im Boden eingelassen. Erinnerungen Überlebender werden gezeigt in Filmen, Bildern, Dokumenten, Büchern - eingängig auch für junge Menschen. Die Texte sind kurz gehalten, nüchtern und eindringlich. An die nächste und übernächste Generation will sich das Dokumentationszentrum wenden, so die Absicht Busemanns wie auch der überlebenden Opfer. Zur Aufklärung zählen die Ausstellungsmacher den Hinweis, dass zwar alliierte Spruchkammern SS-Leute des Lagers verurteilten; die deutsche Justiz aber nur in einigen Fällen ermittelt; zu einer Anklage kam es nicht. Nur wenige der KZ-Wärter wurden bestraft.

Kiefern über den Fundamenten

Leicht war die Suche nach Dokumenten und Belegen nicht. Viele wurden erst in den vergangenen Jahren gefunden durch Grabungen auf dem sandigen Gelände oder durch die Öffnung der Archive in Osteuropa. Davor wurden alle Erinnerungen gleich mehrfach zerstört. Beim Abzug vernichtete die SS alle Dokumente. Aus Furcht vor der Fleckfieberepidemie brannten die Briten bei ihrem Einzug mit Flammenwerfern die Baracken ab. Und ein halbes Jahr später störten sich die Briten nicht daran, dass die neuen deutschen Amtsträger alle verbleibenden Bauten abrissen und das Mobiliar an die Dorfbevölkerung versteigerten. Dann wurde Sand auf die Fundamente geschüttet und der Kiefernwald angepflanzt, der jetzt von Landschaftsarchitekten in einer geplanten Neugestaltung behutsam wieder gerodet wird.

Die Architekten wollten „den Weg“ in den Mittelpunkt des Bauwerks stellen: den Weg hinein, hindurch, hinaus. Michael Zimmermann vom Braunschweiger Architekturbüro KSP Engel und Zimmermann spricht von einem emanzipierten Bauwerk, das sich nicht verschämt hinter der Botschaft verstecken müsse - es ist selber Teil der Botschaft. Das beginnt schon mit einem massiven Betonbalken, der scheinbar ohne Träger über dem Eingang schwebt und so ein Element der Verunsicherung darstellt. Boden, Wand und Decken sind alle „authentisch“ aus monochromem Sichtbeton. Details sollen nicht ablenken. Auch die Vitrinen - auf der linken Gebäudeseite zeigen sie individuelle Schicksale, an der rechten Wand historische Einordnungen - sind karg gestaltet.

Innerhalb des achtzehn Meter breiten, teils zweigeschossigen Baus ergeben sich ständig neue Blickwinkel auch nach außen - auf einen Obelisken, mit dem eine frühere Generation an die Opfer erinnern wollte, und auf die Heide und den Kiefernwald, unter denen sich Schreckliches verbarg. Das bündelt sich an der Stirn des Gebäudes: Hier öffnet sich an allen drei Seiten eine Glasfront, die just dort beginnt, wo einst das Lager anfing. Dort schwebt das Gebäude zwei Meter über dem Boden - ein Fundament zu graben verbot sich, um nicht den jüdischen Friedhof zu stören, der hier beginnt. So bleibt der Blick auf das Lagergelände und auf das verdeckte Gräberfeld, der eine visuelle Verbindung schaffen soll in die Vergangenheit.

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