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Diskriminiteer Dialekt : Armes Süddeutsch

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Der Sprachwissenschaftler Werner König hält den baden-württembergischen Werbeslogan „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ für ein Marketing-Eigentor, weil er im Norden Deutschland viele Vorteile bestätige.

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          Der Augsburger Sprachwissenschaftler Werner König wendet sich in einem engagierten Plädoyer, das von einem bekannten Werbeslogan Baden-Württembergs seinen Ausgang nimmt, gegen neuere Tendenzen, namentlich süddeutsche Regionalismen geringzuschätzen („Wir können alles. Außer Hochdeutsch. Genialer Werbespruch oder Eigentor des deutschen Südens? Zum Diskriminierungspotential des Slogans“, in: Sprachreport. Jg. 29, Heft 4, 2013).

          König kritisiert den Slogan, weil er Vorurteile bestätige, „die viele im Norden bezüglich der Sprache des Südens haben“. Kompetent wirke heute nur, wer akzentfrei spreche, obwohl nur sehr wenige gar keine regionale Färbung erkennen ließen. Der norddeutsche Akzent werde fälschlicherweise oft mit Akzentfreiheit gleichgesetzt, auch wenn er „Tach“ statt „Tag“ oder „Dink“ statt „Ding“ artikuliert.

          Die Überzeugung, dass im Norden und besonders in der Gegend um Hannover ein besseres Hochdeutsch gesprochen werde, nennt der Autor ideologisch; es gebe hierzulande „Diskriminierung von Menschen wegen ihrer Aussprache, wegen ihrer Muttersprache“, obwohl sich das Diskriminierungsverbot in Artikel 3 des Grundgesetzes explizit auch auf die Sprache bezieht.

          Wer nicht mit norddeutschem Akzent spreche, könne dies als Karrierebremse erleben, in Kindergärten und Schulen werde Kindern ein anderer Akzent systematisch ausgetrieben. Der Diskriminierung süddeutscher Sprachfärbungen sei entgegenzuwirken, nicht zuletzt durch die Belehrung künftiger Lehrkräfte, ist Königs Überzeugung.

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