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Dirigent und Humanist : Kurt Masur ist tot

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Kurt Masur, 1927 bis 2015 Bild: Picture-Alliance

Er prägte das Leipziger Gewandhausorchester und die New Yorker Philharmoniker. Am Samstag ist der Dirigent Kurt Masur im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Auch in der „deutschen Revolution“ von 1989/90 spielte er eine wichtige Rolle.

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          Der Dirigent Kurt Masur ist tot. Der langjährige Leipziger Gewandhauskapellmeister starb am Samstag im Alter von 88 Jahren in einem Krankenhaus in Greenwich, Conneticut. Die New Yorker Philharmoniker, bei denen er von 1991 bis 2002 wirkte, würdigten in einer Stellungnahme Masur als „großen Dirigenten und Humanisten“. Masur, der von 1970 bis 1996 Kapellmeister in Leipzig war, gehörte im Herbst 1989 zu den Unterzeichnern des Aufrufes „Keine Gewalt“, mit dem Montagsdemonstranten und Staatsgewalt zum Dialog aufgefordert wurden. 1993 wurde Masur als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt.

          In fortgeschrittenem Alter litt Masur an der Parkinson-Krankheit. Im Frühjahr 2012 brach er sich bei einem Auftritt in Paris das Schulterblatt. Ein Jahr später stürzte er in Tel Aviv und brach sich die Hüfte. Bis zu seinem Tod war er Ehrendirigent in Leipzig.

          Die Beisetzung soll nach Angaben der New Yorker Philharmoniker im privaten Kreis stattfinden. Zudem soll es eine öffentliche Gedenkveranstaltung geben.

          Traum von der eigenen Spielstätte

          Der in Schlesien geborene Masur begann schon mit fünf Jahren, sich selbst das Klavierspiel beizubringen. Eigentlich wollte er Organist werden. Doch als 16-Jähriger erfuhr er, dass seine Finger wegen einer genetischen Sehnenverkürzung im Laufe der Zeit verkrüppeln werden. Hinfort verlegte er sich aufs Dirigieren. Masur studierte an der Musikhochschule Leipzig, wurde dann Kapellmeister in Halle, Erfurt und an der Leipziger Oper, war Chefdirigent bei Walter Felsenstein an der Komischen Oper Berlin sowie Chefdirigent bei den Dresdner Philharmonikern.

          Im August 1970 trat der Ingenieurssohn in die Fußstapfen von Felix Mendelssohn Bartholdy - als Kapellmeister des Leipziger Gewandhauses. „Ich bin mit den Musikern gewachsen. Es war ein Geschenk, ein gegenseitiges Geben und Nehmen“, sagte er Jahrzehnte später. Masur prägte den besonderen Klang des Gewandhausorchesters. Er absolvierte mit seinen Musikern 900 Tourneekonzerte; zu DDR-Zeiten auch im „kapitalistischen Ausland“. 1981 erfüllten ihm die DDR-Oberen sogar den Traum einer neuen Spielstätte. „Ich wurde ausgelacht, als ich sagte, das neue Gewandhaus wird gebaut“, erzählte Masur. Das Gewandhaus wurde gebaut.

          Im Jahr 1972 überlebte Masur einen schweren Verkehrsunfall nur dank langer ärztlicher Betreuung. Seine zweite Frau Elsa Kaul war dabei ums Leben gekommen. Masur litt unter der Mitschuld daran derart, dass er für sich als Dirigent keine Zukunft mehr sah. Der Vorstand des Leipziger Gewandhausorchesters besuchte ihn im Krankenhaus und bewog ihn, aufs Podium zurückzukehren. Ludwig van Beethovens „Missa solemnis“ mit ihrer „Bitte um inneren und äußeren Frieden“ war das erste Werk, das er nach dieser privaten Katastrophe dirigierte – mit bloßen Händen, ohne Taktstock. Ihn hat er seitdem nie mehr benutzt.

          Geprächsforum im Gewandhausorchester im Oktober 1989

          Leipzig, die international renommierte Musikstadt, prägte Masur. „Leipzig hat mich getragen, als ich Student war. Leipzig hat mich getragen, als ich Operndirektor war. Leipzig hat mich getragen, als ich Gewandhauskapellmeister war“, sagte er. Und mit dem Ende der DDR kam ihm eine weitere bedeutsame Rolle zu: Er wurde „Dirigent der deutschen Revolution“.

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