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Gina Thomas (G.T.)

„Dinner for One“-Kommentar : Britische Schauspieler mit deutschem Humor

  • -Aktualisiert am

„Dinner for One“ wurde 1963 vom NDR produziert und entwickelte sich zum Silvesterkult im deutschsprachigen Raum. Bild: dpa

Freddie Frinton und May Warden tourten für geringe Gagen mit ihrem „Dinner for One“ durch Großbritannien, bevor der NDR sie zum Silvesterkult machte. Nun lief der Sketch zum ersten Mal in einem britischen Kino – und erhielt vernichtende Kritiken.

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          Die alte Kamelle von der deutschen Humorlosigkeit ist trotz der positiven Rezeption von Filmkomödien wie „Männer“ oder „Toni Erdmann“ nicht aus der britischen Vorstellung zu verbannen. Fassungslos kommentierte der für die darstellenden Künste zuständige Redakteur des „Daily Telegraph“ die „alarmierenden Lachkrämpfe“, die der Satz „Same procedure as last year, Miss Sophie?“ bei „fast jedem Nordeuropäer“ hervorrufe, „der mehr als zwei Jahre alt ist“.

          Anlass für seine mürrischen Beobachtungen über den von ihm als „schmerzhaft unkomisch“ empfundenen Sketch in „Dinner for One“ ist die erstmalige Darbietung dieser laut Guinnessbuch der Rekorde am häufigsten wiederholten Fernsehsendung in einem britischen Kino. Für Deutsche dürfte es kaum zu fassen sein, dass dieser wiederum der stereotypen Vorstellung des „typisch Britischen“ entsprechende Zweihänder, ohne den Silvester in Deutschland nicht Silvester wäre, im Vereinigten Königreich lediglich durch gelegentliche Korrespondentenberichte oder durch persönliche Erfahrungen britischer Reisender in nordischen Ländern als vor allem deutsche Skurrilität bekannt ist.

          Das Gelächter des Hamburger Publikums

          Auch die Namen Freddie Frinton und May Warden sagen den Briten nichts. Das erklärt, weshalb Frintons Nachlass, mitsamt Tigerfell, über das er in der Rolle des für die abwesenden Geburtstagsgäste von Miss Sophie mittrinkenden Butlers wiederholt stolpert, in Bremerhaven eine neue Heimat finden wird, das mit seinem Geburtsort Grimsby städtepartnerschaftlich verbunden ist. Nicht etwa, dass Frinton und May in ihrer Heimat in Vergessenheit geraten wären. Vielmehr waren sie dort nie wirklich berühmt, obwohl Frinton Anfang der sechziger Jahre einen kurzen Moment im Rampenlicht genoss – als pantoffelheldischer Klempner unter der Fuchtel seiner tyrannischen Frau in der BBC-Situationskomödie „Meet the Wife“, die in dem Beatles-Lied „Good Morning, Good Morning“ Erwähnung findet.

          Bis dahin war er unter anderem mit „Dinner for One“ des in Armut gestorbenen Bühnenautors Lauri Wylie als Komiker durch die Varieté-Theater britischer Seebäder wie Blackpool gezogen. Peter Frankenfeld und der Fernsehregisseur Heinz Dunkhase gewannen Frinton für einen Auftritt in der Sendung „Guten Abend, Peter Frankenfeld“. Später ließen sie den Sketch mit der Einführung von Heinz Piper vor einem Hamburger Publikum aufzeichnen, dessen Gelächter seit Anfang der siebziger Jahre in deutschsprachigen Landen durch die Silvesternacht schallt.

          Bald fünf Jahrzehnte nach der deutschen Uraufführung konnten sich die Besucher des Slapstick-Wochenendes im frisch restaurierten Jugendstil-Kino von Campbeltown an der schottischen Westküste jetzt ein eigenes Urteil bilden. In Anwesenheit von Frintons Sohn wurde die alte Aufzeichnung des NDR gleich zweimal gezeigt, einmal gepaart mit Buster Keatons „General“ und dann zusammen mit den „Marx Brothers im Krieg“. Ein Leser der schottischen Lokalzeitung fragte, ob es eher an ihm oder dem deutschen Humor liege, dass er „Dinner for One“ nicht komisch finden könne. Er kam zum Schluss, dass Letzteres der Fall sei.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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