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Digitale Archivierung : 1,1 Terabyte wollen aufbereitet sein

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Lang ist’s her: Früher war die sogenannte Floppy-Disc, zu Deutsch: Diskette, State of the Art. Bis sie von der CD abgelöst wurde. Bild: The Denver Post

Die Digitalisierung erreicht zunehmend auch die Archive. Und stellt Personal wie Material vor große Herausforderungen. Doch worin liegen die Chancen?

          Hätten Schriftsteller wie Thomas Mann oder Ingeborg Bachmann bereits soziale Netzwerke wie Facebook oder Whatsapp genutzt - was wüssten wir über die politische Haltung der großen Denker, was über ihre glücklichen und unglücklichen Lieben?

          „Nichts, was an die Ausführlichkeit von Briefwechseln heranreicht“, vermutet Dirk Weisbrod, der an der Humboldt Universität in Berlin über digitale Autorennachlässe promoviert wurde. Obwohl digitale Nachlässe in ihrem Umfang den eines analogen häufig deutlich überschreiten, seien zum Beispiel die über soziale Netzwerke laufenden Konversationen pragmatischer und weniger ausführlich geworden. Würde man jedoch den digitalen Nachlass eines Schriftstellers in seiner Gesamtheit auswerten, zu dem E-Mail-Postfächer, Einträge in sozialen Netzwerken, aber auch mehrere Festplatten gehören können, wüsste man wahrscheinlich eine ganze Menge.

          Vor seiner Dissertation arbeitete der Diplom-Bibliothekar Weisbrod sechs Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Informationswissenschaft der damaligen FH Köln, seit 2006 ist er bei einem IT-Dienstleister angestellt und dort zuständig für Content- und Dokumentenmanagement. Mit dem resultierenden Wissen sowohl um Informationstechnik als auch um die Archivars- und Bibliothekarstätigkeit versucht Weisbrod in seiner Freizeit, Archive durch Vorträge und Publikationen für das Thema digitaler Langzeitarchivierung zu sensibilisieren. Er beschäftigt sich mit der Zukunft deutscher Nachlässe.

          Die Zukunft heißt Digitalisierung

          Die wird in absehbarer Zeit eine digitale sein. Sobald die ersten Autoren und Künstler digitale Nachlässe anstelle von kistenweise beschriebenem Papier hinterlassen, werden Archivare und Literaturwissenschaftler so stark auf technische Hilfe angewiesen sein wie nie zuvor. Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach (DLA), das Fontane-Archiv in Potsdam oder das Archiv der Akademie der Künste in Berlin: sie alle kümmern sich um die Konservierung und Aufbereitung verstorbener Künstlernachlässe, um diese für Öffentlichkeit und Forschung zugänglich zu machen. Bevor das möglich ist, müssen zunächst die Rechte am jeweiligen Nachlass geklärt und das Hinterlassene chronologisch sortiert und inhaltlich erschlossen werden.

          „In manchen Archiven in Deutschland werden E-Mails aus Nachlässen noch ausgedruckt, weil man es gewohnt ist, ausschließlich mit Papier zu arbeiten“, sagt Weisbrod. Manchmal fänden sich auch Bierdeckel oder Servietten in den Nachlässen, wenn Autoren darauf künstlerisch tätig wurden. Aber digitale Daten werden laut Weisbrod größtenteils erst in zehn bis zwanzig Jahren in den Archiven erwartet. Das digitale Zeitalter ist ja „erst“ 35 Jahre jung und immer noch nicht in allen Nachlassarchiven angekommen.

          Ungeklärte Fragen

          Eine der wenigen Ausnahmen stellt der Nachlass von Thomas Strittmatter dar. Der 1995 im Alter von 33 Jahren verstorbene Schriftsteller und Drehbuchautor begann bereits in den achtziger Jahren am Computer zu schreiben. Als das DLA im Jahr 2000 seinen Nachlass übernahm, begann man dort Strategien für den Umgang mit digitalen Nachlässen zu entwickeln.

          Neun Festplatten, 648 Disketten, 100 CD-Roms - ungefähr 1,7 Millionen Dateien im Umfang von 1,1 Terabyte vererbte später der Medien- und Literaturwissenschaftler Friedrich Kittler dem DLA. „Darunter sind Privatfotos, E-Mails und andere persönlichkeitsrechtlich relevante Daten, wie Texte über noch lebende Personen. So etwas kann man ja nicht einfach an die Öffentlichkeit geben“, erklärt Heinz Werner Kramski, der sich im DLA um digitale Nachlässe kümmert.

          Auch Dirk Weisbrod sieht die größten Probleme im Bereich Datenschutz. Würde zu einem digitalen Nachlass zum Beispiel das Facebook-Profil des Verstorbenen gehören, wäre die Frage nach den Bildrechten nicht zwischen dem Nachlasser oder dessen Erben und dem Archiv zu klären, sondern läge beim Anbieter, in diesem Fall bei Facebook.

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