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Digitalisierung als Bedrohung : Staatspiraten

  • -Aktualisiert am

In Frankreich soll eine Aktiengesellschaft - mit staatlicher Beteiligung - eine halbe Million „unverzichtbarer“ Bücher des zwanzigsten Jahrhunderts digitalisieren. Nach der Entscheidung kommt jetzt der Protest.

          Die Debatte um das Digitalisieren von Kulturgut ist um eine neue Variante reicher. Das Digitalisieren eröffnet vergriffenen und vergessenen Büchern die Aussicht auf ein zweites, ja, ewiges Leben. Das Internet ist ein Segen! Gleichzeitig bedroht es die Autorenrechte. Jahrelang haben die französischen Verlage gegen Google prozessiert. Dann wurden Vergleiche und Abkommen geschlossen. Und zu Recht hatte der Kulturminister die Bibliothèque Nationale, die ebenfalls mit der amerikanischen Such- und Druckmaschine flirtete, zurückgepfiffen.

          Doch die nationalen und europäischen Digitalisierungsprogramme laufen nicht wirklich auf Hochtouren. Und immer drückender wird offensichtlich das Bedürfnis, die noch unter Urheberrecht stehenden Werke des zwanzigsten Jahrhunderts den Massen zugänglich zu machen. Es ist zur kulturpolitischen Priorität erklärt worden. Diese kulturskandalöse „Grauzone“ will das Parlament erschließen. Der Vorstoß kam aus den Reihen von Sarkozys UMP-Partei, die sich als Scharfmacher bei der Jagd auf die Piraten im Internet gebärdet. Mitte Februar stimmten die Abgeordneten zu.

          Die Autoren wurden nicht gefragt

          Jetzt hat auch der Senat das Projekt abgesegnet. Es sieht die Gründung einer Gesellschaft mit dem Staat als Minderheitsaktionär vor. Sechzig Prozent der Anteile werden an die Verleger vergeben. Sie kümmern sich um das Geschäftliche. Staatlich erfolgt - über die Bibliothèque Nationale - die Auswahl der Bücher. Sie werden je nachdem als „indisponible“ und „indispensable“ bezeichnet - aber wer will da schon einen kleinen Unterschied zwischen unverfügbar und unverzichtbar machen? 500.000 sollen es sein! Der Erlös geht an die Autorenverbände, die entweder von diesem Geldsegen geblendet oder vom Tempo der Aktion überrumpelt wurden.

          Erst ein Schriftsteller der Sparte Science-Fiction, der auch Krimis schreibt, hat den Protest organisiert. Und versucht, eine Genossenschaft der Schriftsteller zu bilden, die ihre Bücher elektronisch publiziert. Doch die Verleger weigern sich, die Rechte vergriffener Texte freizugeben. Während die Autoren ungefragt in die halbstaatliche Verwertungsgesellschaft eingegliedert werden. Um die brachen Bücher tobt ein Klassenkampf. Inzwischen protestieren schon mehr als tausend Schriftsteller. Sie nennen das Vorgehen eine beispiellose Enteignung durch den Staat: „Das Autorenrecht wird zum Verlegerrecht.“

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