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Digitaler Lifestyle : Peter Zec: „Die Küche der Zukunft soll mit mir reden“

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Kläff, Aibo, kläff - weckt dieser Hund bereits Gefühle? Bild: sonystyle-europe

„Digitaler Lebenstil“, was eigentlich soll das heißen? FAZ.NET wird sich dieser Frage in einer Reihe von Beiträgen widmen. Den Auftakt macht Peter Zec vom Design Zentrum Nordrhein Westfalen.

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          Wenn Sie ohne „Aibo“ nicht mehr aus dem Haus wollen und Ihr Kühlschrank dem Supermarkt meldet, dass die Milch langsam säuert, ist es soweit: Ihr Alltag hat einen digitalen Schlag. Dem Lifestyle dieser Art widmen wir in der kommenden Woche einen genaueren Blick. Professor Dr. Peter Zec, geschäftsführender Vorstand des Design Zentrums Nordrhein Westfalen, erklärt schon einmal, warum Geräte schöner sind, wenn Sie lachen und weinen.

          Herr Zec, wie identifizieren wir digitalen Lifestyle?

          An den Geräten, mit denen wir uns ständig umgeben. Immer mehr Leute führen keinen klassischen Kalender, sondern einen persönlichen digitalen Assistenten, einen PDA. Außerdem erkennen wir ihn an der Art, in der viele Menschen ihr Leben organisieren und der Selbstverständlichkeit, mit der sie das tun, angefangen bei Banalitäten wie dem Abrufen von E-Mails. Schließlich macht sich dieser Lebensstil auch in der Weiterentwicklung des Angebots bemerkbar, zum Beispiel im gehobenen Bereich der Spielzeuge. Denken Sie mal an den Roboterhund von Sony, dieses liebenswürdige Vieh, den Aibo...

          ... mit dem man Herr und Hund spielen kann. In unserer Zeit geraten Mensch und Maschine schon manchmal in symbiotische Nähe. Welches Spezifikum erhebt so ein Gerät über den Stand der reinen Prothese?

          Darin sind sich die Computerwissenschaftler mit den Kognitionsforscher einig. Solang digitale Geräte nicht in der Lage sind, Emotionen zu zeigen, solange sie nicht lachen und weinen können, solange werden die Menschen sie immer nur als eine Art höherwertige mechanische Assistenten betrachten. Wir schätzen also durchaus die Skurrilität von Robotern, denen wir unsere Gefühle übertragen...

          ... und noch ein Beispiel....

          Aus der Frühphase der Computerentwicklung kennen wir die 'Eliza'. Das war ein Sprachcomputer, der zu therapeutischen Zwecken herangezogen wurde. Patienten erzählten Eliza von ihren Problemen. Eliza war natürlich blöd. Sie hat einfach nur verständnisvoll zurückgefragt. Sie hat einfach nur das, was man ihr erzählt hat, in Form einer Frage noch mal wiederholt. Doch die Patienten hatten das Gefühl, verstanden zu werden. Mit der Folge, dass sie sich lieber mit Eliza als mit einem tatsächlichen Therapeuten unterhalten haben.

          Taugen die Maschinen eigentlich erst dann, wenn Sie in gewisser Weise weniger perfekt sind, dafür aber emotionaler?

          Ja, die ganze Entwicklung geht dahin. Bisher hat man versucht, das rationale Verhalten zu simulieren. Die Forscher künstlicher Intelligenz haben erkannt, dass die Basis der menschlichen Intelligenz nicht in der Rationalität, sondern in Emotionalität liegt. Die Erforschung der Emotionalität wird dieses Jahrhundert sehr stark in Beschlag nehmen.

          Wer treibt den digitalen Lebensstil voran?

          Zwei Lager. Auf der einen Seite die Industrie mit ihrem Streben nach neuen Märkten. Mit einem Roboterhund wie dem Aibo wird der Markt ja erst vorbereitet. Auf der anderen Seite die heranwachsende Generation der Gerätenutzer, für die der Umgang bereits jetzt selbstverständlich ist, zum Beispiel die Kinder, die sich im Vorschulalter an den Gameboy gewöhnen.

          Wird der Gerätepark der Zukunft, wenn er denn immer differenzierter wird, überhaupt noch bezahlbar sein?

          Der wird immer billiger werden. Das Geld wird auf der Software-Ebene verdient, deshalb muss man die Hardware relativ preisgünstig abgeben.

          Und die Optik dieser Geräte? MP3-Player sind nicht gerade elegant, geschweige denn Handschmeichler. Wird das Design schöner und schlüssiger werden?

          Eine Frage der Zeit. Anfangs waren auch die Computer hässliche, graue Kisten. Sobald ein Markt in einem bestimmten Segment gesättigt ist, denken die Hersteller darüber nach, wie sie die Geräte attraktiver gestalten können. Das beste Beispiel ist der von Steve Jobs gemachte 'iMac'. Denken Sie auch an die Notebooks von Sony und IBM, das sind ja keine alten Kisten, sondern edle Geräte. So ein neues IBM-Notebook entspricht ja unserem klassischem Design-Verständnis - schwarz, sehr gradlinig gestaltet, kein Schnick-Schnack.

          Gibt es auch hier, in der Ästhetik, ein emotionales Moment?

          Emotionalisierung kann durch verschiedene Arten des Looks erreicht werden. Bei Sony läuft das sicher über die Farbgebung und eine organischere, rundere Gestaltung, während IBM mehr für die klassischen Funktionalisten gestaltet wurde, rechteckig und starkkantig.

          Blicken wir mal in die Küche der Zukunft, wie sollte die beschaffen sein?

          Idealerweise so: Wenn die mich sieht, dann weiß sie, was ich essen will, und dann ist das nach einer kurzen Zeit alles fertig. Ich komme rein, da fragt sie 'Hallo, wie geht es Dir?', redet also mit mir. Der Herd ist gekoppelt mit dem Vorratsbehälter, eben so eine vollautomatische Küche wie wir sie aus den utopischen Filmen der 60-er und 70-er Jahre kennen...

          Sleeper', 1973, mit und von Woody Allen, nur dass es hier mehrere Haushaltsroboter waren, die ihre Herrschaft angesprochen haben...

          ... ja, die Frage ist nur, ob das wiederum unserer Emotionalität entspricht, oder ob wir uns nicht eher eine Küche wünschen, die einfach nur aufs Höchste hin ausgestattet ist. Die einen Herd hat, der mit Thermofühlern arbeitet - wie heute schon der Fall - , der aber auch weiß, wie weit ein Braten gegart werden muss, damit er innen noch blutrot ist und einem Kühlschrank, der selber nachbestellt, so wie wir das aus der industriellen Lagerhaltung kennen.

          Wann beginnt diese Zukunft?

          Vielleicht in fünf bis zehn Jahren, das ist nicht mehr so weit hin. Der Punkt ist eher, das wir schon alles haben, was wir für unsere Zukunft gebrauchen können. Wir Menschen sind zum ersten Mal in unserer Geschichte in einer völlig neuen Situation. Früher haben wir immer das von der Technik gefordert, was die Technik noch nicht konnte - und die Technik versuchte das dann einzulösen. Bedingt durch Digitalisierung hat die technische Entwicklung inzwischen eine Dimension angenommen, die in vielen Bereichen unsere Vorstellungskraft überschreitet. Unser Problem ist nicht mehr das Warten auf eine bestimmte Technik, sondern der fantasievolle Entwurf einer Zukunft. Den haben wir im Moment noch nicht.

          Aber die Küche existiert doch schon längst, in Ihrem Kopf.

          Ja, aber die Fantasie der traditionellen Hersteller reicht bei weitem nicht aus, um sich die entsprechende, komplexe Gebrauchssituation vorzustellen. Deshalb gibt es die Geräte, die wir in einem solchen Szenario hätten, noch nicht in Masse. Erst, wenn fantasievolle Leute beginnen, sich etwas auszudenken, was auch eine Plausibilität im Alltag hat, wird das schlagartig losgehen.

          Was wird Deutschland zum Design der nächsten Generation von High-Tech-Dingen beitragen können?

          Die Deutschen fragen immer nach Sinn und Zweck, und sie sind hervorragend in der Perfektionierung. Was in Amerika vorentwickelt wurde, haben wir bislang immer zu höchster Qualität vorangetrieben, gleich, ob wir in den Bereich des Industrie- oder den des Kommunikationsdesigns hineingucken. Für deutsche Designer sind die Dinge dann erst fertig, wenn sie auf den Punkt gebracht sind. Dieser Hang zum Perfektionismus, der ist typisch für die Deutschen.

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