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Digitaler Lifestyle : Peter Zec: „Die Küche der Zukunft soll mit mir reden“

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Eine Frage der Zeit. Anfangs waren auch die Computer hässliche, graue Kisten. Sobald ein Markt in einem bestimmten Segment gesättigt ist, denken die Hersteller darüber nach, wie sie die Geräte attraktiver gestalten können. Das beste Beispiel ist der von Steve Jobs gemachte 'iMac'. Denken Sie auch an die Notebooks von Sony und IBM, das sind ja keine alten Kisten, sondern edle Geräte. So ein neues IBM-Notebook entspricht ja unserem klassischem Design-Verständnis - schwarz, sehr gradlinig gestaltet, kein Schnick-Schnack.

Gibt es auch hier, in der Ästhetik, ein emotionales Moment?

Emotionalisierung kann durch verschiedene Arten des Looks erreicht werden. Bei Sony läuft das sicher über die Farbgebung und eine organischere, rundere Gestaltung, während IBM mehr für die klassischen Funktionalisten gestaltet wurde, rechteckig und starkkantig.

Blicken wir mal in die Küche der Zukunft, wie sollte die beschaffen sein?

Idealerweise so: Wenn die mich sieht, dann weiß sie, was ich essen will, und dann ist das nach einer kurzen Zeit alles fertig. Ich komme rein, da fragt sie 'Hallo, wie geht es Dir?', redet also mit mir. Der Herd ist gekoppelt mit dem Vorratsbehälter, eben so eine vollautomatische Küche wie wir sie aus den utopischen Filmen der 60-er und 70-er Jahre kennen...

Sleeper', 1973, mit und von Woody Allen, nur dass es hier mehrere Haushaltsroboter waren, die ihre Herrschaft angesprochen haben...

... ja, die Frage ist nur, ob das wiederum unserer Emotionalität entspricht, oder ob wir uns nicht eher eine Küche wünschen, die einfach nur aufs Höchste hin ausgestattet ist. Die einen Herd hat, der mit Thermofühlern arbeitet - wie heute schon der Fall - , der aber auch weiß, wie weit ein Braten gegart werden muss, damit er innen noch blutrot ist und einem Kühlschrank, der selber nachbestellt, so wie wir das aus der industriellen Lagerhaltung kennen.

Wann beginnt diese Zukunft?

Vielleicht in fünf bis zehn Jahren, das ist nicht mehr so weit hin. Der Punkt ist eher, das wir schon alles haben, was wir für unsere Zukunft gebrauchen können. Wir Menschen sind zum ersten Mal in unserer Geschichte in einer völlig neuen Situation. Früher haben wir immer das von der Technik gefordert, was die Technik noch nicht konnte - und die Technik versuchte das dann einzulösen. Bedingt durch Digitalisierung hat die technische Entwicklung inzwischen eine Dimension angenommen, die in vielen Bereichen unsere Vorstellungskraft überschreitet. Unser Problem ist nicht mehr das Warten auf eine bestimmte Technik, sondern der fantasievolle Entwurf einer Zukunft. Den haben wir im Moment noch nicht.

Aber die Küche existiert doch schon längst, in Ihrem Kopf.

Ja, aber die Fantasie der traditionellen Hersteller reicht bei weitem nicht aus, um sich die entsprechende, komplexe Gebrauchssituation vorzustellen. Deshalb gibt es die Geräte, die wir in einem solchen Szenario hätten, noch nicht in Masse. Erst, wenn fantasievolle Leute beginnen, sich etwas auszudenken, was auch eine Plausibilität im Alltag hat, wird das schlagartig losgehen.

Was wird Deutschland zum Design der nächsten Generation von High-Tech-Dingen beitragen können?

Die Deutschen fragen immer nach Sinn und Zweck, und sie sind hervorragend in der Perfektionierung. Was in Amerika vorentwickelt wurde, haben wir bislang immer zu höchster Qualität vorangetrieben, gleich, ob wir in den Bereich des Industrie- oder den des Kommunikationsdesigns hineingucken. Für deutsche Designer sind die Dinge dann erst fertig, wenn sie auf den Punkt gebracht sind. Dieser Hang zum Perfektionismus, der ist typisch für die Deutschen.

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