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Digitale Attacken : Cyberwar – was ist das?

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Der Begriff „Cyberwar” scheint so unwiderstehlich, dass er gerne für alle möglichen Computerattacken verwendet wird. Bild: dpa

Die Regierungen der Industriestaaten rüsten sich gegen kriegerische Angriffe aus dem Netz. Aber wie wahrscheinlich sind solche Attacken? Wie würden sie aussehen? Und wie kann man sie verhindern? Alard von Kittlitz und Harald Staun geben bündige Antworten auf die wichtigsten Fragen.

          9 Min.

          1. Aktivisten legen Kreditkartenfirmen lahm, Hacker greifen Sony an, ein Computerwurm sabotiert iranische Atomanlagen – was hat das alles miteinander zu tun?

          Meistens nicht viel. Der Begriff „Cyberwar“ ist so unwiderstehlich, dass er von vielen Medien gerne für alle möglichen Computerattacken verwendet wird, ob es sich um vorübergehende Serverblockaden, kriminellen Passwortdiebstahl oder tatsächlich um ausgefeilte Angriffe staatlicher Sonderkommandos handelt. Nicht jeder Hacker ist ein Cyberkrieger, weshalb man zwar trotzdem über deren Motive streiten kann, es aber hilfreich wäre, Kreditkartenbetrug von Spionage oder Vandalismus von Sabotage zu unterscheiden. Das terminologische Chaos macht es nämlich auch den Analysten nicht einfacher: Wer jeden Windows-Virus mit komplexen Großangriffen in einen Topf schmeißt, warnte Anfang des Jahres eine Studie der OECD, käme zu „grob irreführenden Schlussfolgerungen“. Auch Microsofts Sicherheitsexperte Scott Charney hält eine genaue Abgrenzung der verschiedenen Kategorien von Cyberattacken für wichtig. Er empfiehlt, zwischen Computerkriminalität, Militärspionage, Wirtschaftsspionage und Cyberkrieg zu unterscheiden, um adäquat darauf reagieren zu können. Also nicht nur, damit am Ende nicht die Marines das Kinderzimmer eines talentierten Script-Kiddies in Schutt und Asche legen; sondern auch umgekehrt.

          2. Was ist denn Cyberwar im engeren Sinn?

          Auch darüber streiten die Experten schon ewig. Eine verbindliche völkerrechtliche Definition wäre aber ganz nützlich, weil davon im Zweifelsfall auch die entsprechenden Vergeltungsmaßnahmen abhängen. Streng genommen müsste man den Begriff nur auf nationalstaatliche Konflikte anwenden, die mit digitalen Bomben ausgetragen werden. Das bekannteste Beispiel dafür sind die „Distributed Denial of Service“-Angriffe (DDoS) auf georgische Websites im Kaukasuskrieg 2008, mutmaßlich ausgeführt von russischen Hackern. Brauchbare völkerrechtliche Regeln müssten aber auch das Ausmaß des eingetretenen Schadens berücksichtigen. Im Falle Georgiens war er minimal, nicht nur verglichen mit den Opfern des Militärs, das gleichzeitig in Tiflis einmarschierte. Aber ab wann kann man dann von einem kriegerischen Akt sprechen? Wann tritt der Bündnisfall ein, der nach einem Beschluss der Nato vom Ende vergangenen Jahres auch durch Cyberangriffe ausgelöst werden kann? Wenn Flugzeugpläne vom Server des Verteidigungsministeriums gestohlen werden? Oder erst, wenn ein fremdes Land die Stromversorgung eines Mitgliedstaats ausschaltet?

          3. Was wäre denn das Worst-Case-Szenario?

          Seit Jahren warnen amerikanische Politiker vor einem „digitalen Pearl Harbor“, einem Cyberangriff aus dem Nichts. Auch der nagelneue amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta gehört zu jenen Menschen, die gerne Alarm schlagen: Ein Cyberangriff, der „unsere Energiesysteme, unser Verteilernetz, unsere Sicherheitssysteme, unsere Finanzsysteme und unsere Regierungssysteme lahmlegt“, sei „in der heutigen Welt eine reale Möglichkeit“, sagte er Anfang des Monats und forderte, „sowohl defensive als auch aggressive Maßnahmen“ dagegen zu unternehmen. Noch dramatischer schätzt der ehemalige Antiterrorberater des Weißen Hauses, Richard A. Clarke, die Lage ein. In seinem 2009 erschienenen Buch „Cyberwar“ schildert er ein Szenario, das klingt, als hätte er sich vom Drehbuch von „Stirb langsam 4.0“ inspirieren lassen: Chinesische Hacker schalten das Pentagon aus, jagen Ölraffinerien in die Luft, lassen Flugzeuge abstürzen und Züge ineinandercrashen – und das alles innerhalb von 15 Minuten.

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