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Sherlock Holmes : Der Nerd aller Nerds

Watson wird weiblich, Sherlock wohnt in New York – Lucy Liu und Jonny Lee Miller in der Serie „Elementary“. Bild: CBS Television

Im Fernsehen, im Kino, als Buch, als Comic, als Hörspiel: Kaum eine Kunstfigur wird so oft zu neuem Leben erweckt wie Sherlock Holmes – und immer ist er Zeitgenosse. Aber warum eigentlich?

          Hier eine kurze Übersicht der Varianten und Adaptionen, in denen Sherlock Holmes – der Detektiv, den Arthur Conan Doyle 1886 erfand – in diesem Winter im Umlauf ist, im Kino, als Hörbuch, in Büchern und vor allem im Fernsehen:

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Eine amerikanische Serie, „Elementary“, bei uns auf Sat1 zu sehen, verwandelt Sherlock in einen heroinsüchtigen Privatermittler auf Entzug im New York von heute – und seinen Freund James in die Ärztin Joan Watson, die auf ihn aufpassen soll, aber natürlich in seine Fälle hineingezogen wird.

          Der neuseeländische Comic-Künstler Roger Langridge, der Holmes und Watson schon als „Muppets“-Figuren gezeichnet hatte (Gonzo als Sherlock, Fozzie Bär als Watson, Kermit als Inspector Lestrade), verwandelt wiederum Sherlock in eine Frau: in einer neuen Reihe, die im Frühjahr herauskommen soll.

          Martin Freeman als Watson und Benedict Cumberbatch als  Sherlock Holmes in der BBC-Serie.

          Die supererfolgreiche BBC-Serie „Sherlock“, die Holmes und Watson aus dem späten neunzehnten Jahrhundert in die Gegenwart katapultiert hatte (und den Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch nach Hollywood), schickte die beiden Detektive am Neujahrstag für eine Spezialausgabe dorthin wieder zurück – ins London des Jahres 1895 also; es geht um eine Braut, die nach der Hochzeit erst sich erschießt und danach ihren Mann und dann noch ein paar andere Männer. Ist sie ein Geist? Oder eine Marionette von Professor Moriarty, dem ewigen fiesen Rivalen von Holmes? Oder ist sie am Ende sogar Moriarty selbst? Aber der ist doch auch tot!

          Einen Bildband zu dieser Serie mit Benedict Cumberbatch als Holmes und Martin Freeman als Watson gibt es auch.

          Und ein Malbuch.

          Eine deutsche Hörspielreihe, „Sherlock & Watson – Neues aus der Baker Street“, setzt fort, was der BBC-„Sherlock“ begonnen hatte: Holmes und Watson im London von heute, simsend, bloggend und googelnd, gesprochen werden die beiden von den Schauspielern Johann von Bülow und Florian Lukas.

          Der ehemalige Basketball-Superstar Kareem Abdul-Jabbar präsentiert sein Holmes-Buch.

          Ein neuer Spielfilm, „Mr. Holmes“, erzählt die Geschichte vom sehr späten Sherlock, der sich aufs Land zurückgezogen hat. Watson ist seit Jahren tot, jetzt sind Sherlock, gespielt von Ian McKellen, seine Haushälterin geblieben, deren Sohn und die Bienen, die er im Garten züchtet – und die Erinnerungen, um die er kämpft, denn sie drohen ihm verlorenzugehen: Holmes ist dement.

          Und dann hat einer der größten Basketballspieler aller Zeiten, der Amerikaner Kareem Abdul-Jabbar, dem Bruder von Sherlock einen Roman gewidmet: „Mycroft Holmes“ heißt er, bislang gibt es ihn nur auf Englisch.

          Abdul-Jabbar (man kennt ihn auch als Co-Piloten Roger aus der „Unglaublichen Reise in einem verrückten Flugzeug“, es ist nicht sein erster Auftritt in der Kunst) hatte als Teenager begonnen, die Sherlock-Geschichten zu lesen. Und die deduktiven Methoden des Detektivs bald in sein Basketball-Spiel integriert, behauptet er heute. Habe nach Schwächen seiner Gegner gesucht, die anderen gar nicht aufgefallen waren. Habe Balljungen als Spitzel befragt, so wie Holmes die Rumtreiber von London. Und jetzt also dieser Roman über Mycroft, den Bruder des Genies, der ein noch größeres Genie ist, aber immer zu kurz wegkam in den Geschichten von Doyle: ein behäbiger Mann des Establishments. Abdul-Jabbar erzählt (unterstützt von der Drehbuchautorin Anna Waterhouse), wie Mycroft wurde, wer er ist, eine Vorgeschichte aus der Zeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, es geht um illegalen Sklavenhandel in der Karibik und ein gebrochenes Herz. Man kann diese wunderbare Kombination von Sportstar und Buchstar so richtig mit nichts vergleichen, es ist ein bisschen so, als würde Beckenbauer eine Fortsetzung von „Winnetou“ schreiben, und zwar über die Jugend von Old Shatterhand.

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