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Spuren des Kommunismus : Städte umtaufen

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In Moskau blickt sein Denkmal über die Stadt, in der Ukraine soll keine Stadt mehr seinen Namen tragen: KGB-Gründer Felix Dserschinski. Bild: Picture-Alliance

Bis zum Frühjahr sollen 940 ukrainische Städte und Dörfer, die nach sowjetischen Staats- und Parteifunktionären benannt sind, umgetauft sein. Die Begeisterung darüber variiert von Region zu Region.

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          Die Ukraine säubert sich von Spuren der kommunistischen Vergangenheit. Pläne der Kiewer Behörden, in der Metro die roten Sowjetsterne und von öffentlichen Gebäuden Raumfahrtmosaiken entfernen zu lassen, liegen zwar, nachdem Denkmalschützer und Kunstaktivisten protestierten, vorerst auf Eis. Doch die Tilgung sowjetischer Ortsnamen von der Landkarte ist in vollem Gang. Die Verwaltungen von Ortschaften wie Kirowo, Sowjetskoje, Dnjepropetrowsk müssen der Obersten Rada alternative Wunschnamen zur Bestätigung vorschlagen. Andernfalls tun das Historiker, Linguisten und Archäologen, die in einer zu diesem Zweck eingerichteten Kommission des ukrainischen Instituts der Nationalen Erinnerung sitzen.

          Bis zum Frühjahr sollen 940 Städte und Dörfer, die nach sowjetischen Staats- und Parteifunktionären benannt sind, umgetauft sein. In der Westukraine, wo nur wenige Siedlungen umzubenennen waren, ist die Operation fast abgeschlossen. Doch im Süden und Osten stößt die Umbenennungskampagne nur auf schwache Begeisterung. Der Rada liegen erst vierundzwanzig neue Ortsnamen vor. Bezeichnende Ausnahmen von dieser Regel waren Städte im nichtbesetzten Teil des Gebiets von Donezk und Lugansk, Artjomowsk und Dserschinsk, deren Namen sich von dem Revolutionär Fjodor Sergejew, der sich „Genosse Artjom“ nannte, und dem Gründer der sowjetischen Staatssicherheit Felix Dserschinski herleiteten. Beide erhielten ihre historischen Ortsbezeichnungen Bachmut beziehungsweise Torezk zurück. Doch im südukrainischen Dorf Kirowo, benannt nach dem 1934 erschossenen Leningrader Parteichef Sergej Kirow, wollte man vom früheren Namen Scherebzy - zu Deutsch: „Hengste“ - nichts wissen, ersatzweise wurde das klassisch klingende Tawritscheskoje („Taurisch“) kreiert.

          Der Nachbarort Oktjabrskoje („Oktoberdorf“) wollte zwar seinen vorrevolutionären Namen Alexandrowskoje wiederhaben, durfte das aber nicht, weil der an seine Vergangenheit im Russischen Reich erinnert hätte. Das ist nach dem Willen der Kiewer Machthaber jedoch ebenfalls tabu. Auch die Schwarzmeerhafenstadt Iljitschewsk musste ihren Namen ablegen, obwohl die Stadtväter versicherten, er gehe auf den heiligen Elias zurück. Sie heißt jetzt lakonisch Tschernomorsk oder „Schwarzmeerstadt“.

          Auch in Dnjepropetrowsk, dem zaristischen Jekaterinoslaw, dessen Namenspatron der Revolutionär Grigori Petrowski war, hätte die Bevölkerungsmehrheit ihren Stadtnamen lieber behalten. In die engere Wahl kommen nun der Flussname Dnjepr und Abwandlungen wie Dnjeproslaw oder Dnjepropol, wobei Ersterer, der liebevolle Slangname der Industriemetropole, als Favorit gilt. Verwaltungschefs, die das Ortsnamenssäuberungsgesetz ignorieren, müssen mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen.

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          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

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