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Die Stimme vom Klassik Radio : Das Leben, ein Fest

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Holger, The Voice

Oder langsame Sätze aus den bekanntesten romantisch-klassischen Symphonien, Suiten und Sonaten. Und auch die Klangfarbe ist formatiert: Harfe oder Flöte oder Cello jederzeit, Klavier nur in homöopathischer Dosierung, allzu brillante Soloviolinen, allzu gleißende Koloraturen, überhaupt alle hohen Frequenzen sind „Abschalter“, ebenso Oper und Lied, Schlagzeug und Zeitgenössisches. Kurzum, alles, was Ecken und Kanten hat, das geht hier nicht. Leider, sagt Herr Wemhoff und seufzt. Seine wahre Liebe gehört ja gerade den emotionalen Exzessen der Belkanto-Oper. Die kann er nur privat ausleben oder sonntags ab 22 Uhr, zu einer Sendezeit, für die sich der Werbekunde nicht interessiert. Für die „Legenden der Klassik“ darf Wemhoff die Playlist selbst zusammenstellen, dann spielt zwei Stunden lang Musik, die ihm gefällt, und „es schalten die Hardcore-Klassikhörer ein, mit denen ich mich austoben kann“.

Wemhoff ist Mikrofonjunkie. Und von allen Schmusestimmen auf Klassik Radio ist seine die allerwichtigste: „The Voice“. Wie ein Magnet zieht diese Stimme Sympathien auf sich, wie der kleine Lord Fauntleroy kann sie eingefrorene Herzen öffnen. Ja, ähnlich wie beim kleinen Lord trägt auch diese goldgesprenkelte, helle Baritonstimme so etwas wie einen blauen Samtanzug mit Spitzenkragen. Man hört ihr nur ein paar Sekunden zu, sie klingt immer höflich, sagt dabei nichts Besonderes, einfach nur, zum Beispiel, „Das war eben die ,Badinerie‘ von Bach, und jetzt geht es weiter mit der Serenade von Dvoŕák, tempo di valse“, oder so, und schon sieht man wieder mehr Sonne. Jederzeit würde man dieser Stimme einen Gebrauchtwagen abkaufen. Warum nicht auch Telemann, Elgar, Brahms? Der Erfolg von Klassik Radio wäre ohne „Holger, The Voice“ undenkbar.

Wenn schon, dann doch bitte das Original!

Er selbst registriert das dankbar und mit einem gewissen Stolz. Auch die Geschäftsführung in Augsburg ist darüber im Bilde, dass so ein Superseelenkäufer seinen Preis hat. Im März 2013 war es so weit. Da stand wieder einmal, wie 2011, ein Relaunch bevor, nach einer Testphase sollte die Rotation der Musikauswahl dramatisch eingeschränkt werden. Wemhoff hatte genug, er reichte die Kündigung ein. Mit Begründung. Kurzer Prozess, schnelle Verhandlung, die Relaunchpläne wurden fallengelassen, außerdem rollten ein paar Köpfe. Und Wemhoff blieb.

Ja, wo gibt es denn so etwas? Dass eine Hierarchie von unten aufgerollt wird, und das aufgrund von Argumenten? Er glaube nicht an Märchen, sagt der Taxifahrer, da sei bestimmt nur wieder ’ne Menge Geld verschoben worden: „Nun entspannen Sie sich mal, junge Frau.“ Auch die Kollegen aus den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten glauben nicht an dieses Märchen. Wemhoff sagt: „Ja, schade, dass die uns nur so schlecht imitieren. Ohne Not wird da dauernd herumgeschraubt, dabei müssen die kein Geld hereinspielen wie wir. Mittlerweile, wenn ich das Radio einschalte, weiß ich gar nicht mehr, wo ich mich befinde. Wenn die ARD-Programme den privaten Kommerzsendern angeglichen werden, dann sollten sie das doch mindestens genauso gut machen können wie wir, oder?“ Oder besser.

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